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streiflichter.org 31. Juli 2025 Verrat und Zeitenwende – SPD zwischen Weltkrieg und Gegenwart Kriegskredite, Kanonen, Klassenverrat
Es war der 4. August 1914. Im Reichstag des Deutschen Kaiserreichs stimmte die größte Fraktion geschlossen für die Bewilligung der Kriegskredite. 110 SPD-Abgeordnete, die sich selbst als Friedenspartei verstanden, stimmten geschlossen für die Bewilligung der Kriegskredite und ermöglichten damit den imperialistischen Kriegseinsatz des Deutschen Reiches. Es war der historische Bruch mit dem Internationalismus, ein Pakt mit dem deutschen Militarismus, ein Verrat an der Arbeiterklasse. Was Jahrzehnte revolutionärer Aufbauarbeit hervorgebracht hatte – von der Gründung der ersten sozialdemokratischen Arbeitervereine über die Entwicklung eines umfassenden Bildungs- und Presseapparates bis hin zum Aufbau gewerkschaftlicher Machtstrukturen – wurde innerhalb weniger Stunden preisgegeben. Jahrzehntelang hatte die sozialistische Bewegung geschworen, im Kriegsfall mit Generalstreik, Massenmobilisierung und politischer Agitation gegen das Morden vorzugehen. Die Kongresse der II. Internationale – Paris, Brüssel, Stuttgart, Kopenhagen, Basel – hatten den Kapitalismus als Ursache für Krieg benannt. Bereits 1907 formulierte Jean Jaurès in Stuttgart: "Wie die Wolke den Blitz, so trägt der Kapitalismus den Krieg in sich." Trotz aller Bekenntnisse zur internationalen Solidarität und Friedenspolitik kapitulierte die SPD-Spitze vor dem Druck der herrschenden Klasse und stellte sich an die Seite der Kriegstreiber. Nicht nur um der "Einheit der Nation" willen, sondern weil sie ihre Integration in das bürgerliche Regime witterte: Ministerwürden, Ansehen, Anerkennung vom Hof. "Ovation" nannten sie es später selbst. ...
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