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streiflichter.org 03. September 2025 Die Alten an die Front! Panik vor „dem Russen“ – damals wie heute Ein Beispiel aus einem Pflegeheim verdeutlicht dies: Eine 94-jährige Frau rief lautstark über den Flur: „Hilfe! Die Russen kommen!“ Eine Pflegekraft versuchte die aufgebrachte Seniorin zu beruhigen: „Aber nein, so etwas sagt man heute nicht mehr.“ – Wenn es doch so wäre! In Wahrheit erleben wir gegenwärtig eine Renaissance genau jener Angstparolen. Das ideologische Niveau der NATO-Staaten und der Bundesregierung liegt mittlerweile auf dem Stand einer verängstigten, an Demenz erkrankten alten Dame. Alles, was an reaktionär-militaristischem Staatsumbau um uns geschieht, wird mit der Prämisse begründet, „der Russe“ müsse militärisch aufgehalten werden – sonst stehe er am Ende noch in Lissabon. Der alte Kalte-Kriegs-Reflex „Die Russen kommen“ ist zurück und dient erneut als Hauptrechtfertigung für eine massive Aufrüstung und Kriegspolitik. Diese Angstrhetorik wird, ähnlich wie schon in der Kuba-Krise oder während der Berlin-Blockade, gezielt reproduziert. Sie dient dazu, die Gesellschaft Schritt für Schritt an den Gedanken zu gewöhnen, dass Krieg, Opfer und Militarisierung unausweichlich seien. Wer sich dieser Logik widersetzt, gilt schnell als „naiv“, „unsolidarisch“ oder gar als „fünfte Kolonne Moskaus“. Dabei ist es gerade diese angebliche „Realpolitik“, die Menschenrechte, soziale Sicherheit und Frieden verrät. Schon während des Kalten Krieges lebten Millionen Menschen in Angst vor einem Atomschlag, der angeblich jederzeit drohe. Heute wird dieses Bedrohungsszenario wieder aufgelegt – diesmal unter dem Vorwand der Verteidigung „europäischer Werte“. Wehrpflicht reaktiviert: Rentner für den Krieg? Deutlich wird dieser Irrsinn in der aktuellen Debatte um eine Reaktivierung der Wehrpflicht – diesmal jedoch für alle Generationen. Ausgerechnet der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, fordert ein verpflichtendes Dienstjahr auch für Senioren – notfalls sogar im Bereich der Verteidigung. Die Diskussion über eine Wiedereinführung des Wehr- und Pflichtdienstes fokussiere sich zu einseitig nur auf die Jugend, moniert der Ökonom; die ältere Generation solle sich „stärker einbringen […] beispielsweise im Sozialbereich, aber auch bei der Verteidigung“. Mit anderen Worten: Oma und Opa ab an die Front, wenn es sein muss. Anmeldungen zum neuen „Volkssturm“ nimmt das DIW wohl ab sofort entgegen. Doch damit nicht genug. Fratzscher begründet seinen Vorstoß mit einem angeblichen Generationenegoismus der Älteren. Den heute alten Menschen – jene mit Kriegserfahrung oder dem historischen Wissen um 87 Millionen Kriegstote – wirft er „zu viel Ignoranz, Selbstbezogenheit und Naivität“ vor. Worin soll diese Naivität bestehen? Fratzscher liefert die Antwort gleich mit: „So haben wir nach dem Ende des Kalten Krieges gedacht, wir müssten uns nie mehr verteidigen – und haben die Friedensdividende verfrühstückt.“ Die Rechnung komme nun, daher „müssen wir jetzt über fünf Prozent Verteidigungsausgaben reden“. Mit auffallender Deutlichkeit unterstellt der Ökonom der Nachkriegsgeneration also, sie habe in friedlichen Zeiten zu gut gelebt – auf Kosten der heutigen Jugend – und deswegen stehe nun ein teures Wettrüsten an. Kurz: Die Alten hätten den Gürtel nicht enger geschnallt, also sollen sie gefälligst noch einmal die Stiefel schnüren. Diese Argumentation erinnert fatal an den Volkssturm von 1944 und ist nicht nur eine zynische Verdrehung der Geschichte, sondern auch eine politische Nebelkerze. ...
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