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Neue Zürcher Zeitung
05. Dezember 2025, 05.20 Uhr
"Der
grosse Herrscher Dschingis Khan hatte die Bedeutung der Schrift
früh erkannt. In seiner Jugend in der zweiten Hälfte des
12. Jahrhunderts gab es noch keine einheitliche Schrift für die
mongolische Sprache. Er wusste aber, dass er sie brauchte, um sein
riesiges Reich durch eine strikte Verwaltung zusammenzuhalten. So
beauftragte er einen kundigen Schreiber, die erste mongolische
Schrift zu entwickeln.
Bei offiziellen
Versammlungen des Hofs musste nun jedes Wort des Khans
aufgezeichnet und übersetzt werden. Eine Fülle von Schriftstücken
wurde produziert und im ganzen Land verbreitet. Alle Untertanen
sollten wissen, was der Herrscher ihnen zu sagen hatte.
Dschingis Khan dachte
modern, er verstand die Macht der Sprache sehr gut. Als Herrscher
des grössten Imperiums, das es jemals auf Erden gab, wusste er um
die Bedeutung von Vernetzung und Kontrolle. Das mongolische
Weltreich erstreckte sich damals von China über die Türkei und Iran
bis nach Russland hinein. Fremde Völker wurden unterworfen und in
das eigene gesellschaftliche System integriert.
Die nomadische
Lebensweise mit ihrer mobilen Struktur bot die ideale Voraussetzung
für erfolgreiche Kriegszüge und die Bildung von Gefolgschaften.
Machtzentren wurden gegründet und wieder verlassen, Expansion war
das einende Ziel. Es war das Prinzip der Steppe: Man blieb an einem
Ort, solange man ihn brauchte, und eroberte sich dann neue Gebiete.
Dschingis Khan ist noch
heute in der Mongolei sehr präsent.
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