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Ostdeutsche Allgemeine 23. Februar 2026, 07.49 Uhr Vor Harald Neuber “China baut seine Präsenz im afrikanischen Raumfahrtsektor systematisch aus. Über Satellitenlieferungen, den Bau von Bodenstationen und technische Ausbildungsprogramme hat Peking in den vergangenen Jahren Weltrauminfrastruktur in mehreren afrikanischen Ländern errichtet, darunter Ägypten, Namibia, Nigeria, Äthiopien und Algerien. Am Stadtrand von Kairo hat China eine Satellitenproduktionsanlage mitaufgebaut, die als erste ihrer Art auf dem afrikanischen Kontinent gilt. Technik, Ausrüstung und Fachwissen stammen zu großen Teilen aus China. Der erste dort gefertigte Satellit wurde weitgehend in China montiert und im Dezember 2023 von dort gestartet, wie diplomacy.edu berichtet. Zusätzlich hat Peking Ägypten in den vergangenen zwei Jahren Erdbeobachtungssatelliten und Teleskope zur Verfügung gestellt. In Namibia übergab China am 12. Februar eine vollständig von Peking finanzierte Bodenstation in Windhoek. Es handelt sich um das erste chinesische Hochtechnologie-Entwicklungshilfe-projekt in dem Land. Die Station empfängt und verarbeitet Erdbeobachtungsdaten, unter anderem vom chinesisch-brasilianischen Satelliten CBERS-4. Die Daten sollen in der Landwirtschaft, im Wasserressourcenmanagement, in der Umweltüberwachung und im Katastrophenschutz eingesetzt werden. Die Anlage wurde formal an Namibia übergeben und wird von lokalem Personal betrieben, das zuvor von chinesischen Fachleuten ausgebildet wurde. In Nigeria finanzierte und baute die China Great Wall Industry Corporation den Kommunikationssatelliten NigComSat. Äthiopien erhielt die Erdbeobachtungssatelliten ETRSS-1 und ETRSS-2 im Rahmen einer Kooperation mit chinesischen Universitäten. Algerien bezieht Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten und nimmt an chinesischen Ausbildungsp-rogrammen teil. Ergänzend bietet China Stipendien, Ingenieursausbildungen und technische Schulungen vor Ort an. Die Raumfahrtkooperation ist Teil übergeordneter chinesischer Initiativen wie der Belt and Road Initiative und der sogenannten Digital Silk Road. Analysten ordnen das Engagement als Verbindung von Entwicklungszusammenarbeit, Technologieexport und geopolitischer Einflussnahme ein. Afrika ist mit 54 Staaten im UN-System vertreten. Durch langfristige Technologiepartnerschaften kann China nach Einschätzung von Beobachtern Abstimmungsverhalten beeinflussen und seine Position in internationalen Debatten über Weltraumregulierung und Datenstandards stärken. Die USA haben laut 'Reuters' Bedenken über mögliche militärische Anwendungen chinesischer Weltraumtechnologie in Afrika geäußert. Washington verweist auf den Ausbau von Bodenstationen und die damit verbundenen Überwachungskapazitäten. Gleichzeitig gelingt es den USA bisher nicht, ein vergleichbares Angebot für afrikanische Staaten vorzulegen. Viele Länder auf dem Kontinent orientieren sich pragmatisch an Partnern, die ihren unmittelbaren technologischen Bedarf decken können. Analysten weisen auf mehrere Risiken der Kooperation hin. Die Wartung der gelieferten Systeme bleibt in vielen Fällen von chinesischer Unterstützung abhängig. Ersatzteile und Software-Updates werden über chinesische Anbieter bezogen, was eine langfristige Bindung an chinesische Lieferketten schafft. Ungeklärt ist die Frage der Datensouveränität – konkret, wer Zugriff auf die gesammelten Erdbeobachtungsdaten hat und ob eine militärische Doppelnutzung der Systeme möglich ist. Einzelne Projekte sind zudem kreditfinanziert, was finanzielle Abhängigkeiten nach sich ziehen kann. Afrikanische Staaten wie Ägypten positionieren sich in dem Spannungsfeld zwischen Washington und Peking neutral. Sie betrachten die Kooperationen nach eigener Darstellung als Gelegenheit für wissenschaftlichen und technologischen Aufbau. China wiederum positioniert sich durch das Engagement als Technologiepartner für Entwicklungsländer und als Alternative zu westlich geprägten Raumfahrtstrukturen.“
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