Ostdeutsche Allgemeine

23. April 2026, 12.13 Uhr

Von Florian Warweg


Mit Reza Pahlavi hat die Bundespressekonferenz (BPK) einem der bekanntesten Exilgegner der Islamischen Republik ein Podium geboten. Der Sohn des letzten Schahs nutzte den Auftritt für eine scharfe Anklage gegen das „Regime in Teheran“, gegen Europas Iran-Politik und gegen westliche Medien. Doch bei zentralen Punkten zu seiner eigenen Legitimierung blieb er vage – und zahlreiche seiner Aussagen warfen weit mehr Fragen auf, als sie beantworteten.


Ein umstrittener Gast in Berlin

Schon zu Beginn machte der Moderator der Veranstaltung, der BPK-Vorsitzende Mathis Feldhoff, deutlich, dass die Einladung Pahlavis „zu vielfachen Debatten und Diskussionen geführt“ habe. Man habe ihn als „gewichtige Stimme innerhalb der iranischen Opposition“ wahrgenommen, sagte Feldhoff, betonte aber zugleich, dass die Bundespressekonferenz sich die Positionen ihrer Gäste nicht zu eigen mache.

Pahlavi selbst nutzte seinen Auftritt für eine maximal zugespitzte Botschaft: Im Iran herrsche seit 47 Jahren ein Krieg des Regimes gegen das eigene Volk. Die Frage sei nicht, ob der Wandel komme, sondern nur, wie viele Iraner noch sterben müssten, bis der Westen aufhöre zuzusehen. Die Rede war durchzogen von drastischen Schilderungen, moralischen Appellen und einem klaren politischen Ziel: Regimewechsel.

Anklage gegen Teheran – und gegen den Westen

In scharfen Worten warf Pahlavi dem Regime Massenmord, systematische Repression und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Mehrfach nannte er die Zahl von 40.000 getöteten Demonstranten und Zivilisten. Sie bildete den Kern seiner Anklage. Eine konkrete Quelle für diese Zahl nannte er in der Pressekonferenz allerdings nicht. Auch mehrere besonders grausame Einzelfälle, die er schilderte, blieben im Rahmen der Veranstaltung nicht überprüfbar.

Seine Vorwürfe richteten sich jedoch nicht nur gegen Teheran. Ebenso deutlich griff er Europa und westliche Regierungen an. Diese hätten das Regime über Jahrzehnte „beschwichtigt“, statt an der Seite der iranischen Bevölkerung zu stehen. Diplomatie mit der Islamischen Republik, so Pahlavis Kernthese, sei letztlich ein Irrweg. Wer glaube, dieses Regime könne sich mäßigen oder friedensfähig werden, hänge einer Illusion an.

Damit setzt Pahlavi auf eine klare Frontstellung: hier das Volk, dort das Regime – und dazwischen ein Westen, der aus seiner Sicht noch immer nicht begriffen hat, dass Verhandlungen mit Teheran nur Zeitgewinn „für die Machthaber“ bedeuten.

Übergang wozu – und mit wem?

Politisch blieb der Exiloppositionelle in Berlin dort am unklarsten, wo es konkret wurde. Pahlavi sprach wiederholt von einer Übergangsregierung, die anerkannt und vorbereitet werden müsse. Ein freier, säkularer und demokratischer Iran könne Stabilität in die Region bringen, den Terrorismus beenden, Geiseln freilassen, politische Gefangene befreien und wirtschaftlich ein verlässlicher Partner werden.

Nur: Wer soll diese Übergangsregierung tragen? Welche politischen und gesellschaftlichen Kräfte stützen sie? Wie soll ihre demokratische Legitimation hergestellt werden? Auf diese Fragen gab Pahlavi keine belastbaren Antworten. Er sprach mehrfach „im Namen des iranischen Volkes“, doch worauf sich dieser Repräsentationsanspruch konkret stützt, blieb offen.

Das ist umso bemerkenswerter, als Pahlavi selbst eine politisch stark aufgeladene Figur ist. Er verließ Iran bereits 1978. Nach dem Tod seines Vaters proklamierte er sich 1980 in Kairo selbst zum Nachfolger auf dem Thron. Heute präsentiert er sich als Verfechter freier Wahlen und verweist darauf, dass allein die Iraner über die künftige Staatsform entscheiden dürften. Eine klare Absage an eine mögliche Rückkehr der Monarchie vermeidet er jedoch weiterhin. Seine Antwort in der Bundespressekonferenz lautete sinngemäß: Nicht er, nicht ausländische Beobachter, sondern allein das Volk solle per Wahlurne entscheiden.

Militärischer Druck als legitimes Mittel

Besonders heikel wurde es in der Fragerunde bei Pahlavis Haltung zu ausländischer Militärintervention. Auf entsprechende Nachfragen verteidigte er Angriffe auf die Infrastruktur und den Repressionsapparat des Regimes ausdrücklich als notwendig, um das Kräfteverhältnis zugunsten der Protestierenden zu verschieben. Das iranische Volk habe um Hilfe gerufen, argumentierte er. Ohne äußeren Druck, so seine Logik, seien unbewaffnete Bürger der Gewalt des Staates schutzlos ausgeliefert.

Zivile Opfer bezeichnete Pahlavi als tragisch, beharrte aber darauf, die Hauptverantwortung liege beim Regime. Politisch ist diese Position riskant. Denn wer im Namen eines Landes spricht, das zugleich Ziel ausländischer Militärschläge ist, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er damit nicht einen Teil jener Legitimität verspielt, die er für sich beansprucht.

Freund Israels, Stimme des Iran?

Auch diese Spannung trat offen zutage. Auf die Frage, ob er ein „israelisches Asset“ sei, wies Pahlavi den Vorwurf zurück. Zugleich bekannte er sich demonstrativ als Freund Israels und der Juden und verwies auf die historische Verbindung zwischen Persern und Juden seit Kyros dem Großen. Das ist historisch und politisch bewusst gesetzt – zumal Pahlavi in einem Umfeld auftrat, in dem seine Nähe zu proisraelischen Kreisen offen thematisiert wurde.

Gerade deshalb bleibt für seine Kritiker der zentrale Einwand bestehen: Pahlavi inszeniert sich als Stimme der Iraner, agiert politisch aber aus dem Exil, in enger Nähe zu Kräften, die auf maximale Konfrontation mit Teheran setzen.

Eine scharfe Rede – und ein schmaler Belegraum

Auffällig war zudem sein Ton gegenüber den Medien. Mehrfach warf Pahlavi westlichen Journalisten vor, das Leiden der Iraner nicht angemessen abzubilden und stattdessen „der Propaganda des Regimes“ aufzusitzen. Das ist rhetorisch je nach Rezipient durchaus wirkungsvoll, ersetzt aber keine Belege. Gerade bei den härtesten Vorwürfen und größten Zahlen hätte man sich mehr Substanz, mehr Nachweise und mehr politische Konkretisierung gewünscht.

Die Bundespressekonferenz bot Reza Pahlavi eine prominente Bühne – und er nutzte sie für Pathos, Anklage und den Ruf nach Regimewechsel. Was er hingegen nicht lieferte, war politische Präzision: keine belastbare Herleitung seines Repräsentationsanspruchs, kein klar umrissenes Übergangsszenario, keine überzeugende Antwort auf die Frage nach seiner eigenen demokratischen Legitimation. So blieb am Ende vor allem eines sichtbar: der große Machtanspruch eines Exilpolitikers, dessen politische Verankerung im Iran selbst weiterhin Behauptung bleibt. 




 



                                                                                                                                                                                        

 

'

News