junge Welt

19. Mai 2026

Daniela Klette vor dem Landgericht Verden

»Wirklich frei sein können wir erst, wenn alle frei sind«

Die mutmaßliche frühere RAF-Militante Daniela Klette hielt am Dienstag 12. Mai 2026 vor dem Landgericht Verden ihr Schlussplädoyer im Verfahren wegen 13 Überfällen auf Geldtransporter und Kassenbüros von Supermärkten, die sie während ihres Lebens in der Illegalität zusammen mit ihren weiterhin gesuchten Mitbeschuldigten Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub begangen haben soll. (jW)

Nun geht dieses erste lange Verfahren gegen mich zu Ende. (…) Es geht hier darum, unbedingt Herrschaft und Unterwerfung durchzusetzen. (...) Es geht nicht um einzelne Taten und auch nicht so sehr um mich, sondern darum, eine Geschichte radikalen linken Widerstands zu delegitimieren und abschreckend zu bestrafen. (…)

Als Jugendliche spürte ich, dass ein Leben nach kapitalistischen Regeln zerstörerisch ist. Menschen sind soziale Wesen und auf Kooperation ausgerichtet. Aber die Unterwerfung unter die im Kapitalismus produzierten Zwänge der Vereinzelung durch Konkurrenz greift dies an und schafft Fremdheit und Distanz untereinander. (…) Davon niedergedrückt zu sein, löste sich erst auf, als ich mit Freundinnen aus der Spontiszene beziehungsweise der undogmatischen Linken zusammenkam. (…) Durch diese Auseinandersetzungen lernte ich, dass meinem Verlorensein kein individuelles Problem zugrunde lag, sondern in den gesellschaftlichen Verhältnissen begründet war. Dies zu begreifen, öffnete die Augen noch weiter für die Ungerechtigkeit um uns herum: die brutale imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung in vielen Teilen der Welt und die Kriege, die von den reichen kapitalistischen Ländern ausgingen. Auf keinen Fall wollte ich dabei zur Komplizin werden. (…)

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