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Unsere Zeit 26. Juni 2026 UZ: Kai, gerade ist dein 9. Album erschienen, „Zwischen Tellerrand und Horizont“. Was liegt denn zwischen den beiden? Kai Degenhardt: Die beiden Begriffe sind als Metaphern zu verstehen, und die kommen in den Stücken des Albums an ein paar Stellen vor. Deshalb habe ich den Titel so ausgewählt. Dazwischen liegt alles Mögliche, von bornierter Innerlichkeit bis zum öden Eskapismus. Also das, was sich mit Realismus – als Methode, meine ich, nicht als Stilrichtung – künstlerisch bearbeiten lässt, um die gesellschaftlich wirkenden Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse einzufangen. Und die darum geführten Kämpfe, die ja immer auch Klassenkämpfe sind. Dazu gehört für mich aber auch, was so alles – vielleicht sogar hinterm Horizont – an Möglichkeiten noch vorstellbar ist. UZ: Siehst du dich als Chronist bundesdeutscher Verhältnisse? Oder eher als Kommentator von der Seitenlinie? Kai Degenhardt: Eigentlich weder noch. An der Seitenlinie schon mal gar nicht. Ich bin doch selber Teil der Verhältnisse, mische mich ein und versuche, so gut ich kann, darin zu wirken. Also klar auf dem Spielfeld, um in dem Bild zu bleiben. Was ich mit meinen Liedern dann unterm Strich künstlerisch so hinbekomme, sollten besser andere beurteilen und einschätzen als ich selbst. Ich schreibe und singe einfach nur Songs. Natürlich nicht über alles, was mir vor die Flinte kommt, sondern schon, worüber es meiner Meinung nach lohnt, sich in Liedern zu beschäftigen. Ich habe dabei aber nicht den Anspruch, die Zeitläufte vollständig zu dokumentieren. Bin aber ein politisch denkender und natürlich auch fühlender Mensch. Also einer, der sich selbst immer in gesellschaftlichen Zusammenhängen sieht, empfindet und begreift, denen man zwar unterworfen ist, die man aber auch verändern kann. ...
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