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28. Juli 2026, 16.22 Uhr

Von Ali Abu Yassin

Nicht die Zerstörung der Gebäude und Straßen und nicht das Löschen zahlreicher Flüchtlingslager und Dörfer von der Landkarte sind die schwerwiegendsten Folgen des Krieges. Es ist der Mensch, der durch den Krieg am meisten zu Schaden kam, denn wir sind nicht mehr, was wir einmal waren. Ein erschütterndes Maß der Gewöhnung an ein Leben im Krieg und seine Kultur hat sich breitgemacht, eine Gewöhnung, die sich auf allen Ebenen und im politischen, religiösen und gesellschaftlichen Bereich tief in die Seelen der Menschen von Gaza eingegraben hat. Niemand ist verschont geblieben von den Folgen und Konsequenzen des Krieges.

Jeder Tag gleicht dem vorherigen, es gibt nichts Neues. Die Morgen, die ihrer Zeit entflohen sind, kehren zurück, verbergen sich hinter verlorenen Stunden, die vergeblich versuchen, vor Zeit und Ort zu fliehen sowie vor einer Realität, die von allen Seiten vom Wahnsinn umhüllt ist. Wie Sisyphos’ Stein: Kein Ausweg und kein Entkommen, uns bleibt nichts übrig, als zu warten.

Ich sprach mit einer Freundin, die in der Westbank lebt. »Verfolgt ihr den Krieg zwischen den USA, Israel und Iran?«, fragte sie mich. »Aber meine Liebe, wir leben doch selbst ungeachtet des in den Nachrichten verkündeten Waffenstillstands noch immer im Krieg«, antwortete ich ihr. »Jeden Tag gibt es Tote und Zerstörung, Seelen, die noch immer von tiefer Trauer ergriffen sind. Und vielleicht ist dieses Grau, in dem wir leben, unerträglicher als der Krieg selbst.«

Es heißt, dass der Grenzübergang von Rafah in Funktion sei und täglich 50 Personen hinaus- und hineinkommen, unter schlimmsten und demütigsten Bedingungen. Ist das ein Grenzübergang oder der Ausgang eines Gefängnisses? Wird man vielleicht am Ausgang eines Lagers respektvoller behandelt als am Übergang von Rafah? Können wir angesichts dieser Umstände überhaupt sagen, der Grenzübergang von Rafah sei wieder in Funktion? Gewiss nicht!

Die Schulbildung ist die tiefste Wunde

Oder nimm den Gesundheitssektor: Können wir in Anbetracht der Zerstörung fast aller Krankenhäuser, der Emigration der qualifizierten Ärzte und der fehlenden medizinischen Versorgungsgüter behaupten, dass wir überhaupt einen Gesundheitssektor haben? Die Situation ist aber noch schlimmer, denn ein Patient, der auf eine einfache Operation wartet, stirbt womöglich, weil am Grenzübergang nur ein paar Fälle täglich durchgelassen werden.

Die Schulbildung aber ist die tiefste Wunde im Herzen der neuen Generation. Neunjährige, die seit Jahren keine Schule besucht haben, denn die Schulen sind entweder zerstört oder zu Flüchtlingsunterkünften geworden. Es gibt eine Art Nachhilfeunterricht in zerfetzten Zelten, aber das kommt dem Streicheln einer tiefen Wunde gleich. Die Kinder sitzen auf dem Sandboden, halten einen zerbrochenen Stift und versuchen, die Mathematik zu verstehen, während der Wind am Zelt rüttelt. Wie sollen sie ihre Zukunft aufbauen, wenn ihre Gegenwart nur aus Warten und Angst besteht? Die Schulen sind vollgestopft mit Tausenden Flüchtlingen, und der vereinzelte Unterricht für die Schüler ist reine Ablenkung. Es gibt praktisch keine Bildung, der Bildungssektor ist zerstört. Kann da jemand behaupten, wir hätten Bildung? Gewiss nicht! Was bleibt, wenn mehr als die Hälfte Gazas von der Besatzungsmacht kontrolliert wird?

Keine Gesundheit, keine Bildung und keine Grundversorgung

Und das Wasser, dieser edle Tropfen, ist in den meisten Fällen ungenießbar. Wir trinken es, wohl wissend, dass es Krankheiten verursachen kann. Eine kleine Gallone Trinkwasser ergattern wir nur unter großen Mühen. Aber es gibt keine Alternative. Der Strom kommt nur ein paar Stunden, deshalb leuchten wir mit Kerzen oder Mobiltelefonen, um in der Dunkelheit unsere Gesichter zu erkennen, dann gehen beide wieder aus.

Also: keine Gesundheit, keine Bildung und keine Grundversorgung. Wie sollen wir unter solchen Gegebenheiten den Krieg im Iran oder irgendetwas anderes außerhalb von Gaza verfolgen? Selbst die Nachrichten, die uns betreffen, verfolgen wir nicht mehr, weil die Menschen in die Bewältigung ihres beschwerlichen Alltags versunken sind. Wer im Feuer verbrennt, kann sich auf nichts anderes konzentrieren, als auf die eigene Löschung.

Und die Neureichen, die sich vermehrt haben wie Pilze nach dem Regen, kontrollieren den Schwarzmarkt. Sie verkaufen Sachen zu horrenden Preisen, die Kosten für Brennstoff übersteigen die Kaufkraft der Mittellosen. Sie haben eine Schattenwirtschaft aufgebaut und lächeln das Lächeln des Triumphs, während die anderen Hungers sterben. Die überwiegende Mehrheit schläft und erwacht mit der gleichen Sorge: Woher bekommen wir Essen für die Kinder? Und wie schützen wir sie vor der beißenden Kälte oder der sengenden Hitze? Einige Familien haben immer noch keinerlei Hilfe erhalten, obwohl sie alles verloren, während andere, die von der Bombardierung nicht betroffen waren, mehr bekamen, als sie brauchten und nun damit Handel treiben. Diese Ungerechtigkeit verbrennt die Seelen mehr als Bomben.

Leben in der tödlichen Hölle

Der Krieg wird für die Armen zu einer tödlichen Hölle. Ich habe von vielen Menschen gehört, dass sie sich jeden Tag und jede Sekunde den Tod wünschen, weil sie nicht in der Lage sind, ihr tägliches Brot zu beschaffen und die Bedürfnisse ihrer Kinder zu befriedigen. Sogar die Hilfen, die über Organisationen und verschiedene Gremien abgegeben werden, werden nicht gerecht verteilt. Interessen und Beziehungen spielen die größte Rolle bei der Verteilung. Zahlreiche Familien, die ihre Wohnungen verloren, leben bis jetzt auf der Straße, weil sie noch immer keine Zelte erhielten, um ihre Kinder vor schneidender Kälte oder großer Hitze zu schützen. Andere Leute haben ihre Häuser nicht verloren, wurden aber die ganze Zeit mit Zelten versorgt, bis sie anfingen, diese zu verkaufen. Im Krieg herrschen Not und Ungerechtigkeit, und die armen und einfachen Menschen sind die größten Opfer, die den doppelten Preis für die Folgen zahlen.

Trotz all der verschiedenen und nicht endenden Tragödien und Geschichten bleibt uns die Hoffnung, an die wir uns klammern: dass eine politische Lösung umgesetzt, die Lebensrealität in Gaza verbessert und unser unabhängiger palästinensischer Staat errichtet wird und im ganzen Land Frieden einkehrt.

Wann geht die Sonne der Freiheit auf?

Nicht nur das Wasser des Meeres ist verschmutzt, auch die Luft und die Straßen sind es, sogar die Seelen der Menschen brauchen mehr Reinheit und Klarheit. Jeden Tag dreht sich die Erde um sich selbst und wartet darauf, dass die Lage sich ändert, aber sie dreht und dreht sich, und der Tag folgt auf die Nacht, außer in Gaza: Hier folgt auf die Nacht die Nacht. Wann endlich endet all diese Dunkelheit, wann geht die Sonne der Freiheit auf, auf die wir so lange gewartet haben und für die wir noch immer mit unseren Kindern und Jugendlichen, unseren Frauen und Alten bezahlen, und mit unseren Lebensjahren, die weiter schwinden, während wir auf der Suche nach einem Leben sind, das einem Menschenleben ähnelt?

Nein, liebe Freundin, wir verfolgen den Krieg nicht. Meiner Meinung nach ist der Krieg in Gaza grausamer und gewaltvoller als der im Iran und Israel. Denn der Krieg endete nicht an dem Tag, als der Waffenstillstand verkündet wurde, sondern verwandelte sich in einen stillen Krieg, der uns von innen auffrisst, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Der Morgen bricht so schwer an wie ein Stein, und die Nacht zieht sich so sehr in die Länge, dass sie zu einem Kameraden geworden ist, der uns nie verlässt. Wir wachen vom Sturm auf, der an den hinfälligen Zelten zerrt, oder vom Weinen eines hungrigen Kindes, das auf der Suche nach irgendetwas ist, um seinen leeren Magen zu füllen. Und wenn wir einschlafen, sehen wir die Toten vor uns, die nach dem »Frieden« gefallen sind, oder die Verwundeten, die wegen des Medikamentenmangels einen langsamen Tod sterben.

An jeder Ecke in Gaza erzählen die Menschen endlose Geschichten. Da ist eine Mutter, die ihren Mann und ihr Heim verloren hat und jetzt mit fünf Kindern in einem Zelt lebt, durch das das Regenwasser tropft. Sie sagt: »Das Zelt ist besser als die Straße, aber es ist kein Haus.« Und da ist ein junger Mann in den Zwanzigern, der davon träumte, Ingenieur zu werden, aber heute in einer langen Schlange vor einem Verteilzentrum für Hilfsgüter steht und hofft, eine Tüte Mehl oder eine Dose Thunfisch zu ergattern. Er sagt zu mir: »Wir haben an der Universität studiert, und jetzt studieren wir, wie wir am Leben bleiben.«

Warten auf eine echte politische Lösung

Und die Kinder! Würden sie doch spielen wie vor dem Krieg! Aber heute sammeln sie Steine aus den Trümmern oder malen mit Kohle die Gesichter ihrer verstorbenen Väter auf zerstörte Mauern.

Wir sind versunken in unserem strapaziösen Alltagsleben. Wir verfolgen kaum noch die Nachrichten, die uns betreffen, wie sollten wir da einen weit entfernten Krieg zwischen Iran und den USA verfolgen? Wer in seinem eigenen Feuer verbrennt, sieht keine anderen Flammen.

Wir warten. Warten auf eine echte politische Lösung, die uns unsere Würde zurückgibt, unsere Häuser wieder aufbaut, unsere Schulen, unsere Krankenhäuser. Wir warten auf einen unabhängigen palästinensischen Staat, in dem die Kinder in eine richtige Schule gehen, in dem die Kranken ohne Wartezeit behandelt werden und in dem die Familien ihre Mahlzeiten ohne Angst vor dem Morgen einnehmen.

Die Hoffnung, dieser schwache Schimmer, an den wir uns klammern, bleibt. Und trotz des Graus, das alles umhüllt, glauben wir daran, dass die Sonne eines Tages aufgehen wird. Nicht nur das Wasser des Meeres muss klar werden, auch unsere Seelen. Wann wird die lange Nacht von Gaza enden, wann die Sonne der Freiheit aufgehen, auf die wir schon so lange warten? Wir bezahlen mit dem Blut unserer Kinder und den Träumen unserer Jugendlichen einen hohen Preis, aber wir werden nicht kapitulieren. Das Leben, so hart es auch sein mag, bleibt stärker. Und eines Tages werden wir wieder sein, was wir einmal waren, nein, sogar stärker und reiner.






 


                                                                                                                                                                                        

 

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