junge Welt

01. August 2026

Von Felix Bartels

Er musste zweimal sterben, um dreimal leben zu können, ehe der echte Tod ihn fand. In 46 Spielfilmen zwischen 1916 und 1960 führte Fritz Lang Regie, bei 17 davon war er am Drehbuch beteiligt, am Ende seiner Karriere drehte er noch einen Film – in einem anderen. Gestorben ist der Künstler einmal um 1931, als der Stummfilm durch den Tonfilm abgelöst wurde, und ein weiteres Mal um 1936, als er sich im Exil auf die Gesetze Hollywoods einlassen musste.

Das Erscheinen des Tonfilms war Gewinn und Verlust. Neben die visuellen Mittel – Kamera, Schnitt, Szenenbild, Schauspiel, Kostüm und Maske – traten die auditiven – Sound und Dialog, die der auch im Stummfilm schon präsenten Musik den Raum streitig machten. Durch die Hinzunahme dieser Register wurde die Wirkung breiter, das Genre insgesamt intelligibler. Musik gewährt unmittelbaren Zugang zum Affekt, ohne den Umweg über Sprache, auf diesem Umweg aber kann man links und rechts zahllose Schätze finden. Der Stummfilm hatte seine eigene Sprache, musikalische Grundierung diente dem Bild, die Sprache des Stummfilms war Bildsprache.

Diese Beschränkung zwang die Regisseure zu reinen Ausdrucksformen, und mit dem Ton waren Gelegenheiten geschaffen, den reinen Ausdruck nicht mehr leisten zu müssen. Was du sagen kannst, musst du nicht mehr zeigen. Breite wurde mit dem Verlust an Tiefe bezahlt. Keaton und Griffith haben den Übergang nicht bewältigt, zu genuin war ihr Talent auf die visuellen Register ausgelegt. Laurel und Hardy oder Chaplin gelang, die Ästhetik des Stummfilms in den Tonfilm zu retten. Lang darf neben Hitchcock als Künstler gelten, der die neuen Bedingungen nicht bloß adaptiv meisterte. Ton war ihm mehr als bloß Erweiterung des Visuellen, eine eigene Form des Ausdrucks.

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