Levi´s

In einer der großen Wohnungen jenseits des Schwarzmarktes mordete mein verbotener und verlorener Jeans-Anzug bereits eine höhere Tochter oder Gangsterbraut, als ich noch in einem provisorischen Frühbeet ein gelblich und formlos gewaschenes Nachthemd verschwitzte. Hinter der Folie erklärten dicke blonde Schwestern und magere kaukasische Ärzte dutzenden Gorkischen Müttern und Großmüttern, was ihnen seit den Operationen fehlte, während um mich ein Dutzend grauer Gummi-Mumien rotierte. Sie spickten mich mit Sonden und Fieberthermometern, rammten mir die Enden verschiedener Pipelines in die Ellenbeugen und stopften mich mit süßem Buchweizen-Brei, aber sie bekamen es einfach nicht heraus: verbrannte ich schon im Atomfeuer oder hatte die kalte Dusche nur meine Lunge entzündet?

So oder so war ich für die einfachen Kranken eine Attraktion, an der sie langsam und stumm vorbei gingen, die Gesichter ernst und feierlich wie im Lenin-Mausoleum. Dagegen unternahm die Wach-Oma, die hinter einem alten Telefon geduldig auf den dazu passenden Stalin-Anruf wartete und von Zeit zu Zeit über den Rand der „Prawda“ peilte, auch keine besonderen Maßnahmen. Nur wenn mich ein Atemzug heftiger bewegte oder wenn eine der Besucherinnen zu einem Gruß Luft holte, zischte es hinter der Zeitung drohend scharf.

Von meinem Bett aus konnte ich nicht einmal die Überschriften der Titelseite entziffern, wo aber ohnehin nicht stehen durfte, was mich an diesen Tagen am meisten interessiert hätte. Zumeist passierten einschlägige Unfälle ja im militärisch-industriellen Paralleluniversum, das hinter Moskauer Postleitzahlen versteckt lag und nur auf amerikanischen Satelliten-
fotos zu sehen war, und anderenfalls war es vernünftig, die betroffenen Bürger nicht noch zusätzlich zu beunruhigen. Kein Brennstoff-Behälter, der plötzlich über einen Bahnsteig rollte, war gefährlicher als die Frühlingswinde, die nach Test-Explosionen unerwartet ungünstig gedreht hatten, und jede geplatzte Erdöl-Leitung blieb erheblich länger unbemerkt und unrepariert als jeder Haarriss im Kühlwassersystem. Unsere Technologie konnte auch im Zeitalter von Glasnost nicht ohne meterdicken Beton und dicke Bleiplatten auskommen: da war ich nach zwei Semestern Geschichte der Nukleartechnik verständnisvoll.

Meine Folie aber war nicht einmal in diesem Fach erwähnt worden. Schmerzen in der rechten Kopfhälfte, Schlaffheit in Armen und Beinen und eine die Augenlider und die Zunge lähmende Müdigkeit hielten mich ahnungslos in der Horizontale, während die richtig kranken Frauen sich flüsternd Bescheid sagten. Aus dem Fernsehen und gerüchteweise hatten sie Haarstäubendes erfahren, und dass sich meine Haare noch sträubten, nahm ich endlich zum Anlass, mir eine freundliche Diagnose zu stellen. Sie passte zum inzwischen lockereren Aussehen meiner persönlichen Crew, die zu den Uniformen des medizinischen Dienstes nur noch Operations-Masken trug, und ich atmete ganz bewusst und bohrte die Fingernägel in die Handflächen, bis ich nach der Abendvisite mit einer sehr runden Majorin allein und leidlich wach war.

„Ich habe den Verdacht… Das Gefühl, meine ich… …dass ich ohne den ewigen Brei und ohne die Einläufe schon längst wieder im Institut wäre.“

Die Majorin zog einen Hocker unter meinem Bett hervor, setzte sich und beugte sich tief über mich.

„Ein Einlauf ist doch etwas ganz anderes“, flüsterte sie. „Und tatsächlich haben sie nicht den geringsten Verdacht, wie sehr Sie sich irren, Genossin Zorn!“

„Gut, nur mal angenommen… Was fehlt mir denn? Was habe ich denn dann?“

„Na, zum Beispiel sollten Sie besser keine Kinder bekommen wollen!“

Mir gelangen ein Grinsen und ein ironisches Schnaufen.

„Ich wollte immer nur eine Mords-Kapazität werden, in genau diesem Fach, Genossin Major! Mit genau dieser Konsequenz… Und weiter?“

Sie runzelte die Brauen.

„Dann könnte ich Sie, da ich Sie doch schon im Krankenhaus haben, gleich sterilisieren, Tatjana Petrowna?“

„Ich will nur aus dieser Plastetüte raus, im Moment.“

„Aber Sie verpassen da draußen nichts! Außer einem ziemlichen Winter-Einbruch… Ruhen Sie sich wenigstens noch ein, zwei Wochen aus!“

Ich blies mich wie eine reife Frühlingskröte auf.

„Dann will ich mit meinem Vater in Dresden telefonieren! Mit dem Botschafter oder dem Generalsekretär…“

Meine Stimme hatte zweifellos bis vor das Zelt getragen, und die Majorin stand seufzend auf. Sie klemmte die Zuleitung des Beruhigungsmittels ab, zog die Kanüle und presste mir Zellstoff in die Ellenbeuge.

„Ich hätte Sie lieber noch ein bisschen hier behalten… Ganz ehrlich!“

Dass das besser und auch mir lieber gewesen wäre, begriff ich nach meinem ersten regulären Krankenhaus-Frühstück. Das Glas mit dem Tee-Nachschlag war noch heiß, als die drei Männer in zivilen, militärisch wirkenden Wintermänteln den Saal betraten. Sie hatten die Köpfe zwischen die Schultern gezogen, aber sie machten ihre Arbeit flink und leise. Zwei blieben neben dem offenen Eingang meines Foliezelts stehen, und der Älteste trat an mein Bett und klappte den roten Ausweis viel zu kurz auf.

„Komitee für Staatssicherheit. Und Sie sind Tatjana Petrowna Zorn?“

„Nein, eine Etage höher“, erzählte ich ihm den deutschen Witz vom glück-
lichsten Augenblick meines Lebens und nickte. „Aber ich will Ihrem Staat wirklich nichts tun, Genossen.“

„Aber das wissen wir doch“, sagte der Tschekist, nicht unfreundlich. „Wer wüsste so etwas besser als wir? Und deshalb werden Sie doch sicher gern mitkommen und uns helfen, ein paar offene Fragen zu beantworten, Genossin Zorn?“

Neben mir kicherte Frank und gähnte.

„Und das, wo dein Jeans-Anzug weg war!“

„Was denn, du schläfst noch gar nicht?“

Er gähnte wieder.

„Du erzählst das sehr gut, Tatjana Petrowna! Aber weißt du was? Wir sollten ein bisschen schlafen, und morgen früh hole ich erst den ADAC und dann ein paar Brötchen. Und du erzählst nach sehr viel Kaffe unendlich weiter…“

Ich drehte mich auf die Seite, ihm zu.

„Gib mal deine Hand her!“

Er gehorchte, und ich klemmte seine Hand zwischen meine Brüste, um die ein weiterer Geschichtenzyklus gespannt war, der meinen Verlobten ja bis zum zweitausendundzweiten Frühstück halten musste. Das viel zu früh beim Sport störende Gesäuge, das die halbe FDJ-Gruppe schon vor dem Abitur befingert und wegen seines Maßes und Herumhängens als Elefantenohren weiß getauft hatte, gehörte zwar zu den größten Wende-Gewinnern, war aber auch eine ziemliche Belastung, nicht nur meiner Rückenmuskeln und der Bandscheiben. Sogar Lutz, dem ich damit die Doppelhaus-Hälfte und den halben Wrangler-Jeep, Harem, Wurf und Höhensonne finanzierte, störte sich am Aufwand für die Pflege, und nicht einmal in allen neuen Einkaufspassagen lagerten ausreichend verschiedene Spitze, Stretch-Stoffe und Leder, um im Vorbeigehen mehr als eine schlichte Halterung mitnehmen zu können. Den dritten Teil meiner Einkünfte ließ ich in Fitness-Center, Kosmetik-Studio und der Sparbüchse für drohende Korrekturen, und ohne dass ich mir ab und zu möglichst unsentimental ein Steak auflegte, wären die Gedanken an das absehbare Ende zu schwer geworden. Gelegentliche Verhältnisse würden wieder das alte Nicht-Kompliment gebrauchen, halb bewundernd und halb verächtlich, und weitere zehn Jahre später würde ein kopfschüttelnder Chirurg Geschwüre ausschälen, bis sein Skalpell an meinen Rippen kratzte.

Mit dem Unterarm rieb ich die linke Brust auf Franks Hand, bis diese Hand wegrutschte und ich zu einem der Träume abhob, die für meine Hexenfreundin Barbara astraler Tourismus waren, mit den ausgesuchtesten Aussichten auf die Täler und Gebirge meines Körpers.

Touristisch, als eine geführte Stadtrundfahrt, endete auch meine erste Verhaftung. Der neben mir sitzende Offizier beugte sich vor und zeigte nach links.

„Gleich kommt das Majakowski-Museum! Unser berühmter Dichter… Da hat er gelebt…“

„Das kenne ich schon“, sagte ich. „Dort hat er sich erschossen, nicht?“

Er ließ sich zurückfallen und neigte den Kopf nach rechts.

„Und unsere Lubjanka…“

„Wo sie Bucharin erschossen haben“ sagte ich, mehr amüsiert als tollkühn, und ich zog die Aufschläge des geliehenen Mantels über dem Krankenhaus-Nachthemd zusammen. „Früher, meine ich… Nicht Sie, natürlich!“

„Durch Glasnost wissen wir ja, dass er unschuldig war“, sagte er und lachte auf. „Genau wie Sie, Tatjana Petrowna…“

„Wir könnten dort halten“, bot der Fahrer an. Weil das schwarz gestrichene Tor nur langsam zur Seite rollte, blieb ihm die Zeit, sich umzudrehen. „Gern, da Sie sich dafür so interessieren, Genossin…“

„Sehr freundlich“, presste ich am plötzlichen Kloß im Hals vorbei und bewegte die Zehen in den geliehenen Gummilatschen. „Ich will Ihnen keine Umstände machen, Genossen!“

Das Auto rollte langsam durch mehrere enge Höfe und kam in einer aus gelblichen Ziegeln gemauerten Sackgasse zum Stehen, und obwohl der Ober-Greifer schnell ausstieg und mir beflissen die Tür aufhielt und die Hand reichte, spielten sie mit mir den ersten Akt jedes Hexenprozesses. Vor den ersten Fragen kam die Terrorisierung, das Zeigen der Instrumente, und es begann mit dem fast eiskalten Regenwasser, das an meine nackten Füße schwappte.

„Kommen Sie nur, kommen Sie nur!“

Sie standen zu dritt an einer steilen Treppe mit ausgetretenen Stufen und boten mir mit offenen Händen an, auch noch bis zu der Stahltür mit dem kleinen Schiebefenster hinunter zu steigen. Ich zitterte, was schon wegen des Wetters keine Schande war, und ich brachte kaum ein Kopfschütteln zustande.

„Genossen! Nicht schon wieder!“

Der Untersuchungsführer, der in Uniform kam und wie ein Gorbatschow mit fettigen Haaren aussah, bestellte für mich mit strenger Stimme heißen Tee und etwas anzuziehen, und in seinem Arbeitszimmer gab es zwar kein Fenster, aber auch keinen Armesünder-Stuhl und keinen Verhör-Scheinwerfer. Er lud mich in einen Sessel im Lichtkreis einer Leselampe ein und klappte ein metallenes Zigaretten-Etui auf.

„Das war übrigens nur der Kartoffelkeller... Woran Sie erkennen, dass unsere Abteilung, obwohl eine Sonder-Abteilung, nur zur Klärung einiger als nicht sehr wesentlich angesehener Details eingesetzt ist. Wie Sie sich ja denken können, im Zusammenhang mit…“

„…mit dem Unfall in…“

Er nickte, und als der Tee gebracht wurde, löffelte er reichlich Konfitüre in mein Glas, und dann lehnte er sich in seinem Sessel zurück und ließ mich erzählen, was mir einfiel. Es war nichts von geheimdienstlichem Interesse dabei, und so oft und solange ich in der Schaltwarte gewesen war, hatte es keine Unregelmäßigkeiten und keine Verstöße gegen die Vorschriften gegeben, soweit ich sie kannte.

„Toptunow hat also das Havarieprogramm abgeschalten? Habe ich Sie da wirklich richtig verstanden?“

„Aber das musste er doch tun!“

„Weil Djatlow das wollte?“ Zum ersten Mal klang seine Stimme lauernd.

Ich seufzte, lachte und schüttelte den Kopf.

„Weil wir… Also weil die Nachtschicht ja gerade eine Havarie simulieren sollte…“

„Technischer Kram also…“ Er winkte ab, sah zur knarrenden Tür und stand auf. „Ach, Ihre Sachen kommen! Dann werde ich Sie mal für ein paar Minuten allein lassen…“

„Danke“, sagte ich arglos, trank in Ruhe mein Teeglas aus und entdeckte erst dann, dass mir ein unsichtbarer Tschekist an Kleidung hingelegt hatte, womit der riesige Komplex eben bevorratet war.

Der Stoff war nicht gestreift, wie ich es nach einer Bedenkzeit wohl erwartet hätte, aber es war harter, Zelt-, Sack- oder Matratzenstoff: zu fest, um ihn zu einem Henkersstrick oder einem Kletterseil zu zerreißen und zu drehen. Eine graublaue, steife Bluse lag dabei, Unterwäsche fehlte, und vor dem Hocker standen Pantoffeln aus Holz und Leder. Meine Kiefer klapperten gegeneinander, was ich auf das unpraktisch dünne Nachthemd schieben wollte, obwohl ich die sowjetische Protestliteratur kannte und mit den Millionen durch Wyssozkis krächzende Stimme aus knisternden Kassettenaufnahmen gewarnt war: die Jagd auf Wölfe geht weiter, und den Jägern zittern niemals die Hände.

Die Hand lag auch ruhig auf der Pistolentasche des Komsomolzen, der die Tür aufzog und mich mit seitlichem Nicken aus dem Verhör-Zimmer befahl. Ein anderer berührte mich am Ellenbogen und führte mich so während der ganzen Wanderung durch die langen Korridore, um unvermutete Ecken und treppauf und treppab. Logischerweise waren keine Fluchtwege gekennzeichnet, wo Licht durch ein Fenster fiel, mussten wir vorher abbiegen, und alle Wege glichen sich, von schweren Türen und wenigen Heizungs-Harmonikas gesäumt und von nackten, trüben Glühlampen in düsterem Dämmer gehalten. Seltsamerweise begegneten wir niemandem, und das Labyrinth aus Büros, Zellen und Folterkammern war auch so still wie menschenleer. Schließlich überholte uns der Komsomolze mit der Lizenz zum Töten und stellte sich zwischen zwei mit drei Eisenriegeln gesicherten Bohlentüren auf.

„Männer oder Frauen“, fragte er. „Was ist dir lieber?“

Nun sagte ich die Wörter von der Haus-Hitliste, die ich Schritt für Schritt stumm wiederholt hatte, um sie mir um jeden Preis zu verkneifen, doch noch auf. „Njewinnij“ bedeutete unschuldig, und auf ein Missverständnis hatte schon Bucharin geschworen: „Njedorasumenije“.

„Klar, und nur weil du unschuldig bist, kannst du dir das ja aussuchen!“

Statt des Jeans-Anzugs, der mich drei Jahre lang zu Spatzen-Portionen gezwungen hatte, hätte ich mir von meinem Vater zum Studienbeginn eben „Archipel GULAG“ wünschen sollen, die Anthologie solcher Gemeinheiten. Der Gedanke kam mir in meiner Einzelzelle, in der ich neben dem an die Wand hoch geschlossenen Schlafbrett steif auf dem Holzhocker sitzen musste, aber natürlich war das nur ein schwarzhumoriges Gedankenspiel. Bei Vaters Beruf und meinem Studium durften wir keine Westkontakte haben, und nur den Tausch-Bettelbesuch bei ihrer Nachbarin hatten die Berliner Kollegen Oma durchgehen lassen, aus ökonomischen Gründen.

Seit der Explosion des Reaktors war es das erste Mal, dass ich an Privates und an zu Hause dachte, und mir war nicht nur zum Heulen, sondern ich heulte einfach. Die vorige oder die nächste Lungenentzündung ersparte mir das Schluchzen, und wenn ich schon nicht in mein Kinderzimmer mit massentouristischem Elbblick zurück konnte, wollte ich wenigstens in einem gewöhnlichen Vorort-Krankenhaus von einer kleinen dicken Militärärztin noch ein bisschen sterilisiert zu werden. Mit einem fast reinen Gewissen und fast wieder jungfräulich saß ich fest, und ich konnte nur auf mein halbes Dutzend Auszeichnungen im Verbrennen von Städten und Erschaffen von Sonnen hoffen und mich nur damit trösten, dass ich den Sicherheitsorganen schon einen Flugschein und zwei Spezialkommandos wert gewesen und nicht mehr ganz einfach aus den Bilanzen zu löschen war.

Das Alleinsein beim Aufwachen passierte mir geradezu am anderen Pol, und es gab in meinem Appartement keine Spur und keinen Zettel von meinem Verlobten. Nur das Laken war zerknitterter als sonst, und ich verordnete mir die danach übliche Therapie. Ich zündete eine Zigarette an, machte die Runde am CD-Player und an der Hausbar vorbei und nahm das sehr volle Whiskyglas mit ins Bad. Wo die Diebe und Mörder abgeblieben waren, wollte Shakira wissen, aber wenn Frank kein Tittenfetischist war und nicht einmal den Anfang meiner Geschichte zu schätzen wusste, war er nicht einmal diese Erkundigung wert. Dann konnte ich dem Gewicht des Silikons nachgeben, meine Schultern hängen lassen,  den Rücken krumm machen und die Beine nur so breit machen, dass ich die Zigarettenasche gefahrlos ins Klobecken bekam. Che Guevara war auch schon mit siebenunddreißig losgezogen, um zu sterben, und vor dem vierzigsten Geburtstag hatte er es hinter sich gehabt.

Beim Zähneputzen gestand ich mir ein, dass ich wirklich unschön viel rauchte und vielleicht doch nicht zufällig in meinen Beruf geraten war. Dass ich es mit dem forschenden Blick in den Spiegel tat, war fakultativ, und dass ich mit der linken Hand vom Scheitel her die blondierte Mähne raffte und dabei nach neuen grauen Fäden schielte, war eitel. Als der CD-Player im Random-Modus „Suerte“ aussuchte, ließ ich sogar noch das Wasser für ein Sahara-Erdbeerfeld durch die Dusche rauschen, nur um mir vorführen zu können, dass ich das Whisky-Glas sexy hochhalten und dazu die Bauchtanz-Figur und die schmerzhafte Wellenbewegungen des Rückgrats machen konnte. Mit dir nur, mein Leben, will ich mein Leben leben, sang ich den selbst nachgedichteten Refrain mit: Denn ich liebe dich, mein Leben, und ich lebe nur mit dir… Ich trank einen kräftigen Schluck auf dieses, natürlich auch unverkäufliche Talent, hustete und stieg dann ins Dusch-Becken.

„Scheiße“, sagte ich mir die Lage und bog den Kopf in den Nacken. „Shit, mierda, navoz…“

Als ich die Augen wieder öffnete, lehnte Frank im Türrahmen: ein Gaffer mit verlegenem Grinsen, die wenigen Haare wenigstens sehr kurz und, wie ich wusste, nicht mit einem Waschbrettbauch in der Bequemlichkeits-Jeans.

„Ich musste an der Schrottpresse vorbei… Ist die Stelle als Ehemann trotzdem noch frei?“

„Wenn du das Nudelholz überlebst und guten Kaffee kochst…"

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida