Matka

Es war, obwohl es die Verkäuferin für meine Konfektionsgröße ausgesucht hatte, ein zu winziges schwarzes Höschen. Der hintere Steg verschwand zwischen den Hälften meines gar nicht so voluminösen Hinterns, und vorn drückte sich das glänzende Dreieck tief in den dunkelblonden Lockenbusch. Ein verheerender Anblick im unschuldigen Pensions-Spiegel! Es mochte ja sein, dass es der Chefin gerade um diesen Kontrast ging, aber das würde nicht weniger demütigend sein, als der ansonsten anstehende Haarschnitt. Denn was hieß hier „Schnitt“? Mit diesem Anliegen konnte ich zu keiner Friseuse gehen, und selbst konnte ich mit keiner Schere in keiner Freizeit so gründlich sein. Wie in Lefortowo, wo es eine Schlacht gegen die Läuse gewesen war, und wie im Porno-Kino, wo es Futter für die Dickschwanz-Schafe sein sollte, würde ich rasiert werden müssen. Elektrisch oder nass, und schaffte ich das überhaupt allein?

Ich entschied mich an jenem Mittag, unbeschnitten und pünktlich im Massage-Salon aufzutauchen, mich dort noch einmal umzuziehen und im allgemeinen Gelächter um Hilfe zu schreien. Und das war richtig. Cypress, die  schwärzeste Schwarze des Unternehmens, ein einziger Aufstand gegen unsere lächerlich kurzen weißen Kittel, nahm mich wortlos an der Hand, zog mich von der Chefin fort und zurück in die Garderobe. Down! Take away! Und ich erkannte in ihren fremden Gesten und in ihrem Gesicht wie aus einer rassistischen Karikatur keinen Funken Spott. Flink zerrten die langen Finger die krausen Haare straff, kühl fuhr mir die Schere über die Haut, und Cypress versuchte nicht erst, die Kanten des Tarn-Dreiecks zu erraten. We are whores, darling! Ultraschwarz rieb sie aus grünem Gel weißen Schaum in meine Stoppeln. And you’ll become one of us! Und zumindest sah ich viel schneller und problemloser danach aus, als ich es anderthalb Stunden zuvor befürchtet hatte.

Ich kann nur hoffen, dass ich ein Zehntel so gefasst bin, wenn mir eine weinende Ärztin mitteilt, dass sich nun Lunge oder Gebärmutter für das Kettenrauchen oder die Kettenreaktionen zu rächen beginnen. Ich konnte meine Liebhaber bis dahin an den nicht selbst dafür gebrauchten Fingern abzählen, aber die Huren-Frisur hatte ich schon mal, ah jaaa. Selbst in Bilibino, sicher verbannt und von einer Supermacht beschirmt, hatte ich mir über die Feierabend-Revolution in meinem weit entfernten Ländchen mehr Sorgen gemacht…

Frank allerdings war von diesem Vergleich gar nicht begeistert, obwohl ich ihn nur in einem längeren Vorspiel ausplauderte.

„Also MIR war damals überhaupt nicht zum Lachen, du! Jede Friseuse, jeder Hausmeister und der ’plus’-Penner, der damals noch vor dem Konsum hockte… Die sprühten und spuckten vor Hass, und sie hielten sich bloß zurück, weil vielleicht einer von uns eine Pistole dabei hatte. Aber die uns zum Agitieren schickten, hatten die schon gegen ihre Gutscheine für den Katzentisch eingetauscht!“ Noch ein Dutzend Jahre später und bis auf seinen Tanga nackt auf meiner Bettkante zündete sich Frank eine „Gauloise“ an, um sie nach drei Zügen im Aschenbecher zu zermanschen. „Und kein Modrow und kein Gorbatschow haben sich die Nazi-Enteignungen und die Bodenreform garantieren lassen! Das war eine Lüge von Kohl, der was von den sonst fälligen Entschädigungen ahnte… Und der dicke Kohl, der treuherzige Einheits-Onkel, hat deinem Gorbi eine Amnestie angeboten, die dem egal war.“

„Ich denke, du warst gar nicht bei der Stasi?“ Ich streichelte meine Weltkugeln mit den schon deutlich sichtbaren Flüssen. „Und so gut kenne ich Gorbatschow nun auch wieder nicht!“

„Hör zu, höre nur fünf Minuten zu…“

Frank musste nicht lange unter den CDs suchen und nur auf zwei Rückseiten nach dem Titel suchen, und ich hätte meinen „Twingo“ gegen seinen neuen „Huyndai“ setzen sollen. Er meinte Gundermanns Lied vom Schiffe versenken, von den deutsch-deutschen Kriegsschiffen und dem Krieg auf dem übrig gebliebenen: „Du gabst mir die Hand, und ich gab dir mein Gewehr…“ Aber nicht nur Gorbatschow und Modrow hatten, sondern auch Frank hatte kein Recht auf nur einen Cent Tantieme oder Verzeihung!

Gundi gehörte wirklich mir, seit der Werkstatt für Schul-Singeklubs, als er noch auf die Beatles „Mama hat Geburtstag“ sang, und die stalinistische Missgeburt so lobte, dass sie ihn dafür aus der Partei schmiss. Mit mir war er zur großen Jagd auf Geldsack und General aufgebrochen, bis wir im Blitzen der Kanonen die von Ruß verschmierten Gesichter der Heizer auf der Luxusjacht bemerkt hatten! Und die Friseusen, Funktionäre und Frank hatten dem Ur-Dichter nur deshalb nicht vernichtend an die Karre fahren können, weil er seinen übergroßen Abraumbagger lenkte. Und zehn Jahre wusste der Orpheus mit dem Riesengebiss nicht, dass seine Euridike, eine von hunderten, ohne seine einzige späte Schallplatte in Sibirien den verhassten Atom-Strom kochte.

Aber nach der Kapitulation seiner verehrten Genossen konnte ich meinen Doktor der Literatur eine Wiederholung befehlen: Das sollte er sich merken, worüber im  Nachhinein nicht mehr zu klagen war!

Und ich war drei CDs später zum Mitsingen gegangen, als wir endlich die richtige Arbeit hatten – ein Rocksänger mit immer noch strähnigen Haaren und eine Hure mit inzwischen ausgestopften Brüsten. Der Saal im Landesvorstand der PDS war vielleicht zum ersten und einzigen Mal wirklich zu klein, und Gundi blieb auf dem Rückweg vom Klo stehen, glotzte durch die starke Brille und wagte keine Umarmung.

„Immer noch Zorn“, half ich ihm aus.  „Wir haben uns im vorigen Leben mal über das Dichten und über Kernkraftwerke gezankt…“

„Tania la Guerrillera?“ Er gab mir einen kumpelhaften Kuss. „Ewig ist das doch her! Und… schreibst du noch?“

„Neeee! Ich habe eingesehen, dass du das besser kannst…. Aber ich bin noch auf der schwarzen Galeere, und du darfst mich bei meinem Lieblingslied grüßen.“

Er konnte da bei keinem Lied etwas falsch machen, und er baute mich eine Viertelstunde später wirklich in die Ansage ein, als hätten wir jemals alles miteinander gehabt.

„Immer wenn der Sturm sich gelegt hat
fang’n die Offizier wieder an mit kommandier’n.
Immer wenn der Sturm sich gelegt hat
muss der Schiffsjunge gehn und die Segel wieder nähn.
Und das große Fass Rum ist auf einmal wieder weg
und die Peitsche feiert lachend ihr Comeback.
Immer wenn der Sturm sich gelegt hat
ist nur stinkendes Meer ringsherum wie vorher.

Aber immer noch kein Land in Sicht.“

Und obwohl er sich langsam an den Spaß gewöhnt, mit einer russisch-sächsischen roten Hure zu schlafen und ab und zu ein paar Stunden mit ihr zu leben, glaubt Frank mir immer noch nicht, dass der Krieg auf jedem Schiff tobte. Auch bei Modrow und Gorbatschow zu stehen, hieß eben, gegen die Penner, Hausmeister und Friseusen zu stehen, und davon gab es nur die Ausnahmen der Stürme und dazwischen nur das Zwischenreich der Dichter und Huren, wie der Prophet in den „Satanischen Versen“ sagt: „Dichter, und Huren, ich sehe da keinen Unterschied.“   

Freilich hatte mich das Arbeitsamt nicht an ein Bordell vermittelt. Die physiotherapeutische Praxis der Chefin war einfach solange mit der Zeit gegangen, bis sie zu dem Massage-Salon geworden war, in dem ich putzen und lernen sollte. Zwei philippinische Schaum-Karatekas, Cypress und ein deutsches Schokoladenmädchen, zwei großäugige Paprika-Schoten und eine Walküre für verspannte Nazis belebten den Wartesaal mit dem Büro- und Liebestrank-Tresen der Chefin und teilten sich die fünf Badekammern, die ich desinfizieren musste. Ich wischte das Badewasser auf, sammelte die benutzten Handtücher ein und ließ die Kondome verschwinden, die die private Angelegenheit der Beschäftigten waren. Weil ich nicht zur Auswahl stand, war die Besenkammer mit einem kleinen Fernsehapparat und dem gemeinsamen Aschenbecher mein Pausenraum, und schon nach der zweiten Woche kam ich mir dort so klein, hässlich, ausgeschlossen und parasitär vor, dass ich der Chefin für die erste Unterrichtseinheit dankbar war.

Sie kam als Helga in die Kabine 4: in einem unserer Kittel, das Haar aus der Stirn in einen altmodisch strengen Knoten gerafft. Über der Nasenwurzel und der linken Brau begannen zwei Falten wie dicke Merkstriche, und ihre Unterlippe war vorgeschoben und zitterte leicht. In der ebenen fertigen 5 wartete Kurt, der Mann der Chefin, im schwarzen Kimono zwischen den Palmen. Auf Helgas Nicken hin zog ich trotzdem den Kittel aus, und ich streckte mich bäuchlings auf der Liege aus.

„Merke dir das alles, Matka“, sagte Kurt. „Kann ja sein, dass jemand tatsächlich mal eine Massage verlangt, hahaha!“

„Unsinn“, sagte die Chefin und ließ dicht vor meinem Gesicht die Finger knacken. „Wir sind ein Salon für erotische Massagen, nicht weniger und nicht mehr. Allerdings können und wollen wir nicht kontrollieren, was sich zwischen den Kunden und euch Mädchen entwickelt.“

„…und verboten ist“, röchelte ich im Würgegriff der warmen und nun öligen Hände.

Gleich unterhalb des Genicks und noch einmal oberhalb des Kreuzes brach mir die Chefin das Rückgrat, und damit lag ich nur noch als Teig vor ihr, aus dem sie sich routiniert ein weiteres Freudenmädchen knetete. Ihre Griffe waren hart und ein bisschen schmerzhaft, aber sie fanden die Verspannungen und Verhärtungen aus fast drei Jahrzehnten und wurden damit fertig. Was mir so bekam, musste ein wirklicher Heilberuf sein, der zu Unrecht allgemein und auch in meinen Gedanken übel beleumundet war. Sogar Kurt war nur im Zimmer, damit mir die Chefin gleich noch die Behandlung einer Bauchseite vorführen konnte, und ich stand Oberarm an Oberarm neben ihr, als sie sich Öl in die Handfläche goss und sich sachlich und hart das Geschlecht vornahm.

„Da möchten sie wie in der Hochzeitsnacht und bleiben wie zur Silber-
hochzeit“, erklärte Helga. „Der Hautkontakt ist minimiert, und ihre Empfindungen sind nicht typisch. Wenn du richtig zupackst, wird der Kunde wie befriedigt gehen, und du bist Jungfrau geblieben!“

Das graue Fell wurde durch das Öl wieder schwärzlich, die Eier glänzten im Nest aus dunklen Drahtlöckchen rotbraun, und die Chefin beugte sich tiefer, während sie sich die Hände am beträchtlichen Bauch abwischte und sich schließlich die Speckwulst mit den Brustwarzen vornahm. Zwischen den Schulterblättern bekam ihr Kittel Schweißflecke, und die Chefin drehte sich etwas, zog das rechte Bein an und bewegte es über die am besten massierte Stelle. Sie hockte nun über ihrem Mann, der die Folter seiner Brust grunzend quittierte, und etwas später stöhnte die Chefin und bewegte ihren Unterleib in einem ganz eindeutigen Rhythmus.

Die Szene war einerseits das, was man seit der Seligen Elephantia Pornographie nannte und nennt, aber ich fand sie andererseits überhaupt nicht obszön. Das Paar hatte Spaß an sich, und während mich Kurt spöttisch ansah, war in Helgas Gesicht vor allem Neugier. Manchmal las sie mit großen Augen in meinen Pupillen und in meinen Augen- und Mundwinkeln, und manchmal schloss sie die Augen halb, öffnete ein bisschen den Mund und leckte und wackelte schließlich einladend mit der Zungenspitze.

Sie war meine Arbeitgeberin, und das konnte ich nicht nur nicht vergessen. Es bewegte mich die nötigen Zentimeter, um die feuchten, rosa lackierten Lippen zu küssen, und ich geriet in eine Umarmung meiner Hüfte und verteidigte mich mit einem Griff in Helgas Kittel. Würde sie mich näher ziehen, konnte sich der Druck meiner Hand gegen ihre Brust verstärken, und gegen die erst flüchtigen und dann längeren Küsse war ja nichts einzuwenden. Distanzierter konnte die nackte Zuschauerin eines fickenden Paars nun wirklich nicht reagieren, und Helga achtete diese Distanz auf eine raffinierte Weise. Während sich Kurt aufbäumte und in ihr befriedigte, leckte und massierte sie meine Brüste, und sie presste sie von den Seiten gegen ihr Gesicht, als sie auf ihrem Gipfel winselte und hechelte.

Frank hatte seine bald danach Geschiedene zu exakt so einer Anzeige überredet – allerdings ohne der tabulosen Bi-Freundin ein finanzielles Interesse zuzugestehen. Ab und zu las ich und lese ich diese kleinen erotischen Gedichte ja, als Marktforschung auf dem Fleischmarkt, aber ich hatte ihm darauf nicht geantwortet. Ganz sicher. Er berichtete ja von einer Fehl-Investition, beim Kaffe mit der Ex und den pubertätslustigen Kindern, die damals bestimmt arglos neugierig in das Spielzimmer geschneit wären, um ein paar Zensuren unterschreiben zu lassen.

„Er war ganz sicher und konnte es aus irgendwelchen Büchern beweisen, dass ich zur Bi-Fraktion gehöre“, sagte die ehemalige Schauspielerin und ehemalige Frau und lachte. „Aber nachdem sein Gorbatschow den Sozialismus und mein Theater doch nicht gerettet hat, glaube ich seinen Beweisen nicht mehr richtig.“

Frank bekam sichtbar heiße Ohren.

„Tanja kennt Gorbi übrigens persönlich! Behauptet sie…“

„Ach, nicht der Rede wert! Ich habe ihm bloß so zufällig das Leben gerettet wie nach der Autopanne Frank. Na, und ich hoffe, dass ich das wenigstens bei ihm nicht bereue…“

Eine Woche später, in der zweiten Unterrichtsstunde half mir Helga auf den Rücken, und während sie mir eine Brust massierte und die andere leckte, bekam sie den Unterarm unter meine Kniekehlen und hob sie meinen Unterleib an. Sie machte das so selbstverständlich, dass ich nicht bockte, obwohl ich sofort verstand und gleich darauf wirklich Kurts dicke Eichel zwischen den unteren Lippen spürte.

„Auch Mutter von Papst machen“, versuchte er sich in Einfühlsamkeit und drang in mich ein. „Nix Problem, nur mit Gummi… Verstehen?“

Seit Monaten hatte ich mir da unten selber Guten Tag gesagt, womit ich im Kopf gut klar kam, aber Kopf und Bauch sind eben manchmal feindliche Brüder. Der Bauch und seine Reflexe verrieten den Kopf und seine vernünftigen Argumente, und so spielte ich das Drei-Personen-Stück in anders verteilten Rollen weiter.

Diesmal war die Helga die Zuschauerin, und nach einer Weile holte sie zwischen den Grünpflanzen eine Halbliter-Dose Bier hervor und riss sie auf. Sie ließ Kurt trinken, schlürfte selbst und grinste mir von weit oben ins verschwitzte Gesicht. Während sie kleine Schlucke trank, spielte sie mit den linken Fingern an meiner rechten Zitze, zupfte und zwirbelte sie. Ich versuchte, das Gefühl weg zu atmen und wollte dann entschlossen hinfassen, aber die Chefin drückte noch stärker und ihr Blick war nun ziemlich ausbeuterisch. Also packte ich die Hand nur vorsichtig auf die Hand der Chefin, gefiel mir schaudernd ein bisschen als ihr Opfer und wurde durch dieses Aushalten zur Komplizin bei der eigenen Folter. Weiter unten war ich lebendiger als gewohnt, und als sich Kurt dort energischer mit mir duellierte, rebellierte ich doch vorsichtig gegen die Behandlung meiner Brust.

Wie falsch so viel Einverständnis gewesen war, merkte ich zwei Tage danach, als zwischen den nikotinsüchtigen Ungarinnen Kurt den Türrahmen der Pausenkammer verstellte, seine Anzughose aufmachte und den Gummi des Slips bis unter den Sack zog. Er zeigte mit dem Finger, wo ich vor ihm knien sollte.

„Matka, mach! Lecken wie Detektiv in Kaufhaus, wie Pope bei Altar… “

Ich rührte mich nicht.

„Und die Chefin“, wandte ich vorsichtig ein.

„Helga kommt schon, wenn sie es machen will“, missverstand er mich absichtsvoll und begann mit Melkbewegungen an seinem Glied. „Jetzt wir machen, Matka Petrowna!“

Eine Flucht wäre an Kurts Bauch gescheitert, und lauter Protest hätte nur für einen Moment genutzt. Dass die alarmierten Kolleginnen vor Gericht meine Zeuginnen gegen den Mann der Chefin sein würden, bildete ich mir lieber nicht erst ein, und die Chefin selbst hätte die Kronzeugin für ein kleines Missverständnis abgegeben: nach dem auf jeden Eid zu nehmenden Dreier.

„So ist das nicht mein Ding“, murrte ich, stand steif auf und bewegte mich eckig auf die Knie. „Wirklich nicht…“

„Ja, quatschen gut“, sagte Kurt. „Aber mehr dreckig… Dirty!“

Er raffte vom Nacken her meine Haare und drückte gegen meinen Hinterkopf, bis ich mit den Lippen an seiner Eichel war, und nachdem er mich eine Weile so gehalten hatte, schob ich brav die Zunge vor, kurz und dann öfter.

„Und das wird schon noch dein Ding, Matka“, versprach Kurt. „Das ist nur der Anfang! Und gerade als hässliche alte Russen-Jungfer solltest du eifriger lernen.“

Weder mit Bauch- noch mit Kopf- oder Seelenschmerzen konnte ich meinem demokratischen Sozialisten also dienen, und erst recht nicht zehn Jahre nach den ganz anders schlaflosen Nächten.

Lefortowo-Erinnerungen weckten mich, das Laken war ein feucht-heißer Umschlag, und ich rotierte wie zwischen den Projektionswänden eines Kurzfilmfestivals: Die wirklich arbeitenden Kolleginnen beim Kaffee davor und bei der Zigarette danach, glänzende Schultern und Schenkel und die unter lichteren oder dichteren Pelzen gerundeten Kundenbäuche. Auf der psycho-
logischen Kante zwischen Verdrängung ins Komische und spielerischer Aufarbeitung blies ich die Luft, und ich fingerte zwischen meinen Beinen, um das verlorene Sättigungsgefühl wieder zu entdecken. Ich kannte das von meiner Cousine, die im Volkseigenen Kombinat Feinback Konditorin gelernt hatte. Schon im zweiten Semester wäre sie eine Perfekte Kugel gewesen, hätte sie die Punschkugeln, Windbeutel und Schokosahnetorten aus Mitarbeiter-Verkauf weiter so vertilgt wie im ersten Vierteljahr. Aber irgend-
wann hatte ihr Körper auf hausbackenes Brot mit Kräuter-Magerquark um geschalten. Darum ging es mir in den Nächten, und darum überlebte ich auch die Pausen mit der knapp angeordneten Russinnen-Gymnastik, dem gespreizt gebeugten Stehen, den Hintern gegen den Mann der Chefin gereckt.

Eines Mittags verzichtete ich beim Umkleiden von mir aus auf mein erotisches Höschen. Es wurde bei den schnellen Begegnungen mit Kurt zu sehr gedehnt und vom täglichen Waschen entfärbt, und es behauptete einen Unterschied zwischen mir und den Kolleginnen, den es nicht mehr gab.

Kurt entdeckte es bei einem Vorbeigehen, hob den Saum meines Kittels und schnalzte.

„Ah, Matka… Gut! Du auch nur Schlampe…!“

Ich war noch mit dem Putzen des letzten Badezimmers beschäftigt, als Kurt und ein Kerl in seinem Alter herein kamen, in den Bademänteln der Kunden. Sie kneteten sich zwischen den Beinen, und dann machte Kurt die letzten zwei Schritte, knöpfte meinen Kittel auf und zog ihn mir von den Armen. Er machte seinen Unterleib frei, indem er ihn an meinem Hintern rieb, und er spießte mich wie schon gewohnt auf und beugte mich mit einem harten Griff in den Nacken seinem Freund entgegen. Der Fremde härtete sein Glied, indem er es mir ein paar Mal um die Backen haute, und dann nahm er meinen Kopf in die Hände und drückte meinen Mund gegen den fleischigen Pfahl.

Es war das erste Mal, dass ich mit zwei Kerlen zugleich zu tun hatte, und ich war von ihnen auf eine seltsame Weise überwältigt und überrascht. Sie hielten mich an den Hüften und am Kopf so, dass ich nicht davon kommen konnte, und deshalb versuchte ich es auch nicht, sondern studierte lieber meine Reaktionen. Ich wurde zwar vergewaltigt oder zumindest missbraucht, aber dieses klare Verständnis hatte gar nichts mit dem offenbaren Einverständnis meiner Körperöffnungen zu tun. Mit ihnen bediente ich die Eindringlinge und kassierte ich den Tribut kleiner Stöße, und ich taumelte und schnappte nach Luft, als ich für einen Moment aufgerichtet und herum gedreht wurde. Dann klemmte ich wieder zwischen den fetten, haarigen Tieren, und ich wurde weich und auch nass…

Dass ich für Kurt und die Kolleginnen als die alte Matka Petrowna behandelt wurde, kam nur von meiner Zurückhaltung, und nachdem ich das Hühnchen auf dem Spieß gewesen war, umarmten mich Cypress und die anderen whores kurz, und ich kam auch über diese Arbeit zu sozialen Beziehungen, mal zu einem Nacht-Kölsch, mal zu einem Sonntags-Ausflug.

Da musste Frank eben mal einen Monat einsam verdauen, was ich gut aushielt, weil Barbara mich während dessen umso besser verstand

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida