Circenses

Lutz wollte mich im Hotel dabei haben, weil mir mal wieder sein Arbeitgeberanteil zustand und wir Tänzerinnen doch ein Team waren. Dazu hielt er das Reh Renee als Beute und Köder in einer lässigen Umarmung fest, und die Neue sah trotz ihres dunklen Typs und des deplatzierten Bühnen-Makeups bleich aus.

„Renee bewundert dich nämlich, und sie findet dich nett“, behauptete er.

Das Reh nickte brav, aber ich nahm das Handy aus der Jackentasche.

„Also da muss ich fragen…“

Es war nach elf, für Barbara schon zu spät, und wir hatten weder etwas Romantisches noch eine Bestrafung für meinen Anfall von Herrschsucht geplant. Die Blutige Mona war aber wohl im Stress mit der heimischen Alkohol-Entsorgung und nicht grundlos eifersüchtig gewesen, und so hatte sie mir zu früh, zu oft und zu grob zwischen die Beine gegriffen.

Unangenehm war das in einem Kampf immer, weil es sich nur ungenau machen ließ, zu schnell ging und nicht nur den Siegeswillen der Gegnerin signalisierte. Mindestens einmal musste sich die künftige Verliererin noch frei machen, zur Erbauung der Zuschauer, die uns in Bewegung sehen wollten. Die Macht der Fingerspitzen genügte ihnen nicht, und Mona hatte mich, obwohl sie bereits unten lag, schon vor der Mitte der zweiten Runde erwischt.

„Ja“, meldete sich Barbara nach einer zu langen Weile gereizt. „Was ist denn? …Liebe…“

„Ich werde halb eins da sein“, sagte ich und bekam rote Ohren, weil ich vor Lutz lügen musste. „Obwohl ich ziemlich müde bin…“

„Ach, das ist gut! Ähhh, in Ordnung… Ich bin auch müde. Und ich habe Schnupfen… Ich meine damit…“

„Du hast eigentlich deine Tage?“

„Genau!“ Barbara musste außerdem noch den Dachbalken des ganzen Hauses ersetzen, so gepresst atmete sie. „Ich bin müde, und ich habe Schnupfen und meine Tage… Tanja? Liebe… Wir haben nie ausgemacht, dass wir…, dass ich nicht…“

„Nein…“

Ich beendete die Verbindung, und ich schaltete das Handy auch gleich noch aus. Ich wollte Barbara weder einen Skandal machen noch die Absolution erteilen müssen, weil meine Geliebte fremd gegangen war, während ich dienstlich auf Monas Hand gesteckt und ihr nach dem sittenwidrigen Schultersieg den Dildo in den Hintern gerammt hatte.

Ich ging auf das ungleiche Paar zu, klopfte Lutz auf die manikürten Finger und legte meinen Arm um die Hüfte des Rehs Renee, an die zwischen Jeans und Kurz-Bluse blitzende Haut.

„Du musst das nicht machen, zumindest nicht mit mir. Es ist nur besser, wenn ich dabei bin… Und wenn du dir nicht ganz sicher bist, nehme ich dir den Chef ab, okay?“

Lutz knurrte ärgerlich, was freilich völlig überflüssig war. Das Reh hatte schon an der Stange geturnt und wollte weiter machen, und ich wollte es für uns heiß, mit ein bisschen Neugier und einem guten Gefühl. Ein Cocktail daraus machte lockerer als der beste Alkohol, und er hinterließ kaum Kopfschmerzen, wie ich sie nun auch nicht gebrauchen konnte. Ich half zum ersten Mal, aus einer kleinen Schlampe eine kleine Hure zu machen, und dann war ja noch eine Premiere mit Barbara durchzustehen.

Ich hätte nicht gewusst, was ich verpasst hätte, sagte ich mir beim Hotel-Frühstück, und prinzipiell gab es da wohl keine Antwort: Erkundete man monogam einen Partner oder eine Partnerin bis zum Letzten oder einigte man sich besser, keine Entdeckung auszulassen, und musst man nicht auch erfahren, wie man wechselseitig auf Seitensprünge reagierte? Ich hatte Renee das Schminkzeug weg genommen, freute mich an ihren rosigen Schauern und den Sündenschatten um ihre Mädchenaugen. In jedem knusprigen Brötchen sah ich noch ihre so leicht zum Anschwellen zu bringende Möse vor mir, und die übliche Lektion, dass am Analverkehr nichts Dämonisches war, hatte Lutz mit mir gehalten: Meine Bestrafung für Monas öffentliche Hinrichtung. Nun war ich in der phantastischen Situation, Barbara verzeihen zu können, ihre anderthalb Stunden Vorsprung bei der Untreue, und ein unbrauchbarer Lutz saß am Monas Tisch und litt an ihrem Schweigen.

Renee lehnte eine Verdauungs-Zigarette ab, aber ich flüsterte ihr als Abschiedsgeschenk, wie sie den mächtigen Chef zähmen konnte: Mit dem Kneten der Arschbacken und der Finger auf dem Anus, weil er dann um seine Jungfernschaft fürchtete oder an ihren verlust erinnert wurde. Dann war wieder eine Kampf-Tournee zu Ende, und der Yellowstone-Park war immer noch UNESCO-Welterbe.       

Ab und zu, manchmal und immer öfter gab es solche Tage, von denen ich nichts Deprimierendes zu sagen wusste als aus meiner guten alten, der Kinder- und Jugendzeit. Meine Welt war untergegangen, aber ich steckte wieder in einem Hamster-Rad, war ziemlich sicher aufgehoben und wurde gefüttert, um eine Gelddruck-Maschine anzutreiben. Ich sah eher noch schärfer als je zuvor, dass es so war, und dass dieses Rad mit silbernen Nägelchen sowohl verziert als auch gespickt war. Und sehend und um die Möglichkeiten und den Preis für den Ausstieg wissend, hatte ich meine Existenz im Griff und konnte sogar meine Besitzer beißen: Lutz, das große Taschengeld-gierige Kind, und den Kanzler und die Wirtschaft, wenn Bundestagswahl war. Es war ärgerlich, dass Hamstern keine Gedichte einfielen, aber andererseits war ich ja auf meinen pornografischen Roman stolz und hatte für Frank angefangen, von mir zu erzählen.  

Nicht einmal, wenn sich dafür kein Verleger fand, musste ich die Weltkultur verloren geben. Vielleicht genügte es, die Seiten ins Internet zu stellen und darauf zu warten, dass die ignoranten Verlage zugrunde gingen, weil die Leute nur noch am Computer lasen. Vielleicht sparten wir uns in fünf Jahren auch das Fahrkarten-Geld und verreisten am Bildschirm, und ich musste nicht mehr in die „Schinken-Bar“, um mit meiner Brustgymnastik meine Brötchen zu verdienen. Web-Cams gab es ja bereits.

Sicher verdiente ich dann kaum mehr als diese Brötchen, aber der eigentliche Witz würde sein, dass ich dann auch nichts mehr an ARAL bezahlen musste, keine Kfz-Haftpflicht, keinen Miet-Anteil für den Laden und nichts für Marietta Vermittlung. Die Besitzer all der blanken Büro-Türme würden keinen Miet-Cent mehr einnehmen, wenn alle Sekretärinnen, Designerinnen und Journalistinnen nur noch am eigenen Computer arbeiteten, die Lockenwickler in den Haaren. Und die großen Kaufhäuser starben den kleinen Tante-Emma-Läden nach, weil über das Internet bei den Herstellern aus aller Welt eingekauft wurde. Die sichersten Bank-Sicherheiten waren dann wertlos, und die Auto-Konzerne und die Wucherer von Jack Wolfskin und… und… und… gerieten in die roten Zahlen. Microsoft, die Hardware-Hersteller, die Konkurrenten der Telekom und Vattenfall verdienten weiter, aber der Kapitalismus, wie er vor zwanzig Jahren gesiegt hatte, würde sich auflösen, und seinen neumodischen Rest konnten wir ignorieren – und besser noch: Abschalten, wenn er uns ärgerte oder unsere Barbaras an der Haustür klingelten.

„Ich hätte nicht kommen sollen… Noch nicht“, flüsterte dieses raffinierte Biest und hielt mir statt der Rosenhecke eine wirklich gemein aussehende neue Peitsche vor die Nase. „Wir hatten das nie besprochen, und du machst das mehrmals täglich, manchmal, und nimmst sogar Geld dafür… Soll ich, muss ich gehen?“

Ich trat einen Schritt zurück und zog die Tür auf, und selbst von der Schwelle aus und im fast noch Hellen konnte sie die Festbeleuchtung aus Teelichtern des IKEA-Vorteilspacks sehen.

„Aber eine Bedingung habe ich! Nimmst du die an?“

„Was es auch ist“, sagte Barbara und heulte los.

Verdammt, schon mit achtzehn waren wir eigentlich zu alt für Eifersucht gewesen, und wenn ich wirklich verliebt war, gab es nicht einen Grund, die anderen auch nur für Sekunden unmöglich zu machen. Ich hatte sogar auf die Bosheit verzichtet, für das Versöhnungsessen von Fett durchzogene Steaks anzukohlen. Für jede von uns lagen zwei dicke Mohrrüben auf den Tellern, und nach dem Anstoßen südafrikanischem Rotwein putzten wir uns die gegenseitig.

„War es schön“, fragte ich.

„Oh, du bist besser… Viel besser!“

„Ich weiß. Aber ich hoffe, du fandest es schön!“

Barbara seufzte. „Hätte ich es sonst gemacht?“

Sie war noch zu Hause vorbei gefahren, um sich ein bisschen feierlich hexenhaft anzuziehen, mit einem roten Band im Haar, einer Sammlung von Halsketten und den schweren Ohrringen. Öfter als nötig ordnete die Ring-Galerie der linken Hand die Mähne, und im Übergang von der Dämmerung zur Dunkelheit ergab das durch das Kerzenlicht schöne Effekte. Schade, dass es Barbara nur um die Techniken der Meditation und nicht um Schadenszauber ging! Ihr wäre sicher alles gelungen, und ich hätte mir für ihre Besuche schon längst einen schwarzen Kater kaufen müssen. Oder in der fensterlosen Kammer, die mir als begehbarer Kleiderschrank vermietet war, eine Folterkammer einrichten…

Eine Karriere als Domina schlug mir Marietta sowieso jedes Mal vor, wenn ich einen Mini-Job ihrer Agentur ablehnte: Geburtstags-Stripps, mittelständische Betriebsfeiern oder ein Abend als Tischplatte für Sushi oder Tapas. Dafür war die flachbrüstige Tschechin mit der rotbraunen Kurzhaar-Frisur, die Marietta am Ende dieser Aussprachen anrief viel besser geeignet, aber das Problem zeichnete sich ab. Allmählich reifte ich doch, auf zu wenigen Hochzeiten tanzend, zu arrogant, zu sachlich und zu teuer, und ich unterschätzte den Kleinvieh-Mist einfach. Außerdem saß in einem von Lutz’ und  Mariettas Neustadt-Häusern eine Bekannte, die für den Ruhestand in den  Rheingau zurück wollte und eine Nachnutzerin des Studios und der Kundenkartei suchte.

Ich lachte, weil mir dazu ein vergittertes Zimmerchen mit einem Stalin-Bild einfiel, in dem ich in Filzstiefeln und offener Uniformjacke russisch fluchen durfte, ja musste. Anders als Marietta sah ich mich aber nicht wirklich als geeignet.

„Es ist auch nur ein Job“, behauptete sie. „Es gibt hunderte Bücher über richtiges Fesseln, und du kannst dir von deiner Lesbe ja auch noch mal eine Nadel durch die Zitze stechen lassen. Ja, und dazu sagst du dem Kunden nur, was wir über die Männer denken!“

„Wir? Mir tun die eigentlich nur leid…“

„Haha!“ Marietta legte mir die schwarze, mit silbernen Sträflingsketten verzierte Karte von Lady Angelique neben die Espresso-Tasse. „Rufe sie doch mal an! Geh wenigstens auf einen Kaffee vorbei. Du würdest uns einen Gefallen damit tun. Und vielleicht ja auch dir… Versprochen?“

Ich nickte, denn als unsere Managerin und aus der Sicht des Marketings war Marietta damit sicher auf dem richtigen Dampfer. Es war nur völlig unmöglich, mit Barbara über die Hauptsache zu reden. Ja, sie liebte mich, und sie liebte mich noch mehr, wenn sie mich auffing und aufhob und ich heulend und lachend in ihre Umarmung kroch, aber da hatte eben sie ein Tabu. Warum sie mich gelegentlich verhauen wollte, verriet sie mir nicht, und was sie davon hatte, wenn sie mich mit Kerzenwachs bekleckerte. Sie wollte oder konnte mir auch kein berühmtes Bekenntnis-Buch eines Sadisten nennen, und der Marquis de Sade war ja nur ein gehemmter Masochist mit einer eher harmlosen analen Fixierung gewesen. Minister Mielke war in dieser Tonband-Aufzeichnung wahrscheinlich ehrlich gewesen, als er über seinen Humanismus sprach, den Verräter von Morgen schon heute tot sehen zu wollen, und für ihn war das ja kein Widerspruch dazu, doch alle Menschen zu lieben… Aber für diese Untersuchung wurde in Berlin die dicke Katechetin bezahlt, und die bereitete damit virtuelle Ketzerverbrennungen vor statt solvente dicke Männer real zu befriedigen. Und Frank hatte ich schon gefragt, nach seinem Outing als Fan des Kampfstieres: Dann hätte er doch auf den aufgeschlitzten Bauch und die bunt schillernd heraus quellenden Därme des Matadors gehofft…? Er berief sich zwar auf kein Tabu, nur: Mehr als ein Seufzen und ein gedehntes „Ähhhh…“ war  auch ihm nicht zu entlocken.

Wir nannten es ja ein Spiel, Barbara und ich, wenn wir uns dazu verabredeten, und es war immer etwas Besonderes. Wir mussten uns Zeit nehmen, einen Ort ohne Zeugen suchen und die Handys ausschalten. Zumindest ich musste zufrieden mit dem Job und dem Geschriebenen der letzten Tage sein, und ich gehörte in irgendeine Verkleidung oder unterwürfige Pose, während Barbara ihr frühes Aufstehen zu bedenken hatte.

Der kitzelige Punkt war, dass auch die alten Römer nur zu Spielen in den Circus gegangen waren. Große gelbe Katzen spielten da mit Lebend-Futter – mit federlosen zweibeinigen Tieren, wie Platon meinte. Mit Kampfhähnen also. Und im Finale ließ man besonders fette Exemplare dieser Spezies aufeinander los… Nie wurde dort ein Mensch getötet, weil die Sklaven nur sprechende Werkzeuge und gefangene Krieger gegen Rom, das allein seinen Verfassungspatrioten die Menschenwürde verlieh, sogar Anti-Menschen waren. Und dabei blieb es: Indem sie dem Teufel, diesem Genießer, den Anus leckten, waren die Hexen seiner Synagoge beigetreten, und bevor sie auf den Grill kamen, wurden die Ketzer von den Inquisitoren aus der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen.

Nein, da wogte in den Zuschauern keine dumpfe tierische Grausamkeit, sondern mit erstaunlichem Engagement exerzierten die Massen eine philosophisch gut begründete und geradezu spitzfindig ausgearbeitete Rechtsstaatlichkeit. Und als sich im mittleren Mittelalter alte Rechtskultur und neue technische Möglichkeiten verbanden, entstand das Handwerk des Henkers, der vor allem ein Schausteller der gesellschaftlichen Errungenschaften war.

Nicht nur, weil William Wallace als Feldherr Tausende ihrer Väter, Brüder und Söhne und kleinen Ausbeuter getötet hatte, sondern genauso, weil er sie um einen halben Meter überragte, hätten die Londoner ihn mit Vergnügen eigenhändig in Stücke gerissen. Aber noch lieber wollten sie eben sehen, wie der Löwe der Gerechtigkeit mit dem Staatsverbrecher spielte, und was Regisseur Mel Gibson in „Braveheart“ den Schauspieler Mel Gibson mimen ließ, vermittelte gar nichts von dem historischen Ereignis. Nachdem der frühe Sean Connery in der Schlinge blau angelaufen war, wurde er zwischen vier Pferden ins Leben zurück gerissen und für den frühen Hannibal Lecter  auf den Seziertisch gelegt. Dieser schnitt Penis und Hoden und Hoden ab und zeigte sie dem Verurteilten, ebenso wie Darmschlinge um Darmschlinge: Alles, woraus William Wallace bestanden hatte. Erst dann hackte er der leeren Hülle Arme, Beine und Kopf ab…

Nach dem unverhüllten und wilden Sadismus der alten Römer wurde also ein ritualisierter und geheiligter Sadomasochismus zur europäischen Leitkultur, von Spezialisten zelebriert und zu verkäuflichen Symbolen erstarrt. Eifriger als ins Kolosseum, zumindest jeden Sonntag und sogar in jeder Vorstadt strömten die Menschen zusammen, um sich gewaltpornographische Geschichten vorlesen zu lassen und sich anzusehen, was selbst mit dem Sohn Gottes anzufangen war. Einerseits erlaubten sie sich Tränen um Ihn und sich, trösteten sie sich mit der verheißenen Auferstehung gerade über das grausamste Schicksal, und andererseits glaubten sie sich im Recht, mit ihresgleichen mindestens so umspringen zu dürfen wie die Römer mit Jesus. 

Und auch beim Foltern bestimmte das Sein das Bewusstsein, denn Heinrich Institoris glaubte nicht etwa an Hexen und schrieb darüber den „Hexenhammer“. Er war als geiles, folterndes und vergewaltigendes Mönchlein beschuldigt worden, und so beschrieb er seine Frauen- und Impotenzangst als menschheitliches Problem und seine Lieblings-Torturen als dessen Lösung. Ihre Bauern sollten nur für sie leben, und dieses Produktionsverhältnis verkörperte sich für die Gräfin Bathory in den 612 Bauerntöchtern, die sie mit Eis und Eisen quälte, die sie an den Brüsten zerbiss und auf ihre welkende Haut ausbluten ließ…

Aber das Buch darüber konnte ich später einmal schreiben, wenn Frank für das wöchentliche Viagra zur Rente dazu verdienen ging und Barbara auf ihre ersten beiden Enkel aufpassen musste. Die Geschichte würde darin ebenso vorkommen wie unsere Geschichten, weil bei aller Liebe jeder Hieb und jeder Schrei, jeder Schmerz und jede Träne echt waren.

Viel zu schnell bereute und wollte ich, dass Barbara aufhörte, und kaum einmal war ich zu stolz, sie um Gnade zu bitten. Ich tat das nie, weil es nicht geholfen hätte. Sobald ich die Tortur nicht mehr aushielt, kniff ich die Augen zu, und hinter meiner Stirn bildete sich ein großer Klumpen schwarze Hoffnungslosigkeit, um den die Schmerzimpulse wie Laborblitze, allerdings in Gold, zuckten. Was mir ein fremdes Wesen antat, war nur noch ein dumpfer Druck, bis er sich in den Blitz verwandelte, und ich war nur noch da, um das ein weiteres Mal zu erleben und jammernd zu quittieren. Ich wurde dann echt gefoltert, und ich hätte versprochen und verraten, was verlangt worden wäre, wäre nur etwas verlangt worden. Diesmal hatten wir es wirklich übertrieben, dachte ich jedes Mal, und im roten Licht hinter den verkniffenen Augen tat sich die Dimension der Ohnmacht auf, wie die Wurmlöcher in „Star Trek“. Mein verkrampftes Gehirn kullerte Blitze schleudernd auf sie zu, um darin abzusterben, und immer dann löschte ein Kuss die Hölle und baute mir Barbara aus Armen und Beinen eine Höhle, in der sie das weiche Kissen war. Weil wir ja nur spielten…

Ich war dabei nur ein Endorphin-Junkie, dem die Dosis aus Schokolade und Paprika nicht genügte, aber Barbara war eine wirkliche Römerin, Königin und Henkerstochter, zu meinem Glück nur auf Zeit. 

Nein, ich musste diese Zumutung ablehnen und Marietta irgend­etwas anderes versprechen, was sich verkaufte und noch im hohen Alter von vierzig machen ließ. Vielleicht war das Regionalfernsehen auch zu einer dieser Quiz-Sendungen zu überreden, bei der die Moderatorinnen die Hände schüttelten und die Brüste schaukelten, um nach Mitternacht Anrufer einzuladen. Quiekend und juchzend und schluchzend: „D … … F, welchen Buchstaben suchen wir? Ruft mich an und gewinnt hundert Euro! Es ist ein Vokal, soviel kann ich verraten. Einer nur, den ich zweimal einsetzen werde! Und ich darf euch noch verraten, dass es nicht das A ist. Nicht das E, nicht das I und nicht das U! Ja, ich gebe zu… Eine schwere Aufgabe… Ja, wer ist da? Der Loooothar… Grüß dich, Loooothar! Alsoooo sag es mir, gib ihn mir, Loooothar, den Vooookal der mir soooo fehlt! Wie? Das Üüüü? Da muss ich mal nachsehen… Nein, Lothar, schade! Das Üüüü war es nicht… Versuche es ein anderes Mal wieder! Und ich warte noch immer auf eure Anrufe…“

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida