Aschermittwoch

Ich rieb mir Puder wie Sonnenstaub um die Nase, bürstete die Wimpern auf und ab und frischte den Bordeaux-Glanz der Lippen auf. Das war etwas, wozu ich beim Selbstfahren nie kam, und was auch vor dem Aussteigen unnötig war. Das Publikum wollte Bälle hüpfen sehen, Lichtreflexe auf dem öligen Hintern, und auf Tourneen verlangte Lutz uns den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ja erst im Hotel danach ab. Und Barbara, die freundlich auf Überhol-Manöver verzichtete, brummte amüsiert.

„Du bist doch schon schön! Und ich fasse es nicht, dass ich dich zu dieser Fleischbeschau bringe… Kälbchen…“

„Hauptsache, du nimmst mich danach wieder mit heim!“ Handvoll um Handvoll ordnete ich die Haare. „Und im Theater heißt das ja auch so: Maske. Ich bin dann eine andere Tanja, und nur für die bezahlen sie. Na, eben für das Tanja-Kalb…“

„Jaaa…“ Barbara lenkte in weitem Bogen um eine Radfahrer-Familie. „Die Kuh mit dem riesigen Euter… Und die Lippengymnastik vorhin… Soll ich dir sagen, woran die mich erinnert hat?“

„Was denn? Merkst du nicht, wie hier die Bahnhöfe aussehen? Willst du wirklich auf einen Zug warten?“

Wir lachten, obwohl es eigentlich nicht komisch war, dass die aus dunkelroten Ziegeln gemauerten Stellwerke mit trüben oder unverglasten Fenstern standen. Die Dorfkneipen waren als „Völkerfreundschaft“ oder „Deutscher Hof“ gestorben, und alle Dutzend Kilometer waren den glücklicheren Orten kleine ALDI-Filialen erblüht. An den größeren Kreuzungen wollten uns gleich mehrere Wegweiser in die Spaßbäder der Umgebung umleiten, und die meisten Höfe hielten es wie ich:  Sie machten ihre Kosmetik nur für sich. Viel zu früh im Jahr war das Grün der Wälder ohne Saft, und die Ackerflächen sahen zumindest nicht danach aus, dass sie noch zu Feldern reifen würden.

Ich sah auf das Display des Navigationsradios, auf die Armbanduhr und aus dem Fenster und atmete auf. Wie geschätzt kamen wir bei den ersten Eigenheim-Ansammlungen und Gebrauchtwagen-Händlern an, im ersten Gewerbegebiet um ein Jahrhunderte-Jubiläum.

Diese Orte steckten zwischen ihren Bergen wie Grübchen im Arsch der Welt, und mir war unklar, wie Lutz sie aufspürte. Trotzdem konnten sie sich rühmen, Napoleon für eine Nacht beherbergt zu haben, und sie drängten sich um kleine, aber formvollendete Burgen oder hatten einen Rathaus-Platz im Renaissance-Format. Laut Frank war hier das Ruhrgebiet der Luther-Zeit, im Dreißigjährigen Krieg untergegangen und nie wieder selbst auf einen grünen Zweig gekommen. Mit ihrem Cobalt färbten sie hier Glas, bevor die Erste Welt es in hochwertigem Stahl benutzte, das Uran wurde in den sowjetischen Bomben zwischengelagert, und inzwischen imitierten flinke Chinesen die Weihnachtsmänner und Nachtwächter, die ursprünglich als Selbstporträts der einheimisch groben Klötze gedacht waren. Auch die sozialdemokratischen Abgeordneten waren Billigkopien der hiesigen Originale, und weil in dieser armen Gegend auf drei Flüsse nur ein Name kam, blieben am Ende des Zweiten Weltkriegs die dazwischen liegenden Städtchen und Dörfer schon mal einige Wochen unbesetzt. So konnte gut wieder passieren, dass zum Beispiel die heutigen Stadtfeste die Kultur der nächsten Jahrhunderte wurden, mit Döner vom Vietnamesen, pakistanischen Wehrmachtsjacken und einheimischen Verkäuferinnen von Strumpf-Paketen aus dem Winterschlussverkauf der Metropolen. Und um die Theken-Wagen der Groß-Brauereien versammelten sich düstere Wesen, die in Kleidung und Blick alle Geschlechtsunterschiede verloren hatten. Da war nicht mehr zu unterscheiden, ob sie noch nicht ausgewachsen oder schon wieder geschrumpft waren, nikotinbraune oder gelb­süchtige Partisanen ihrer selbst.

Es war ein grauenhaft banales Volksfest, aber ich versuchte doch, mir und Barbara ein Vergnügen daran zuzulächeln. Vor fast zwanzig Jahren war ich nach zu kurzem Aufenthalt viel zu schnell aus Tschernobyl abgereist, ohne den geplanten Abstecher in die noch berühmtere Kulturschmiede, dreihundert Kilometer nördlich. Inzwischen war das 1000-jährige Wizebsk freilich eine Plattenbau-Siedlung mit einem Denkmal, das an die Mistgabeln erinnerte, mit denen die dortigen  Guerrilleros die Deutschen gejagt hatten: Siebzig Synagogen und ein Dutzend Kirchen vor dem Tag des Sieges platt geschossen, und 20.000 Juden lebten nur noch in den Bildern von Chagall weiter.

Auch dort hatte die Geschichte einen langen Anlauf genommen, mit dem Wechsel der Nationalitäten, der obligaten Übernachtung Napoleons und dem Bau einer Straßenbahn und der ersten russischen Kinos. Wahrscheinlich hatte Lunatscharski seinem Pariser Freund den Titel des Kommissars mitgegeben, weil er sonst nichts für ihn tun konnte: Egal! Weißrussische Weizenbrötchen und die von Chagall abgestempelten Professoren-Titel holten andere Welt-Genies in die große Kleinstadt, und zum ersten Jahrestag der Revolution malten sie gemeinsam mit 60.000 Leuten die Stadt weiß an und schmückten sie mit grünen Kreisen und blauen Rechtecken. Sergej Eisenstein hat das beschrieben. Nicht ein Mausoleum, sondern einen Kran projektierte El Lissitzky für Lenins Redner-Tribüne, und Bachtin entdeckte einen ähnlichen Aufbruch nur noch einmal, im Karneval des Mittelalters und in den verrückten Romanen von Rabelais.

So einfach fälscht man Geschichte manchmal: mit einem grammatisch unauffälligen Punkt.

Sie wissen ja, dass Chagall im Westen überlebte und uralt wurde, und vielleicht passt Ihnen da das Nicht Wissen, dass er nicht vor zu vielen roten Sternen, sondern vor Malewitschs schwarzem Quadrat geflohen ist? Und aus einem anderen Zettelkasten füge ich noch an, dass dieser freundliche kleine Tschekist Nikolaj, der die Hausbesitzer-Anzeigen gegen die Graffitis der Kulturrevolutionäre niederschlug, vierzehn Jahre später als Stalins blutdurstiger Zwerg Jeshow Geschichte eher schlug als schrieb. Da freute er sich daran, aus persönlich ausgewählten Volksfeinden eigenhändig falsche Geständnisse heraus zu prügeln, bevor er nach einem langen Sitzungstag und einem großen Wodka mit seiner Gattin und dem halben Schriftsteller-Verband ins Bett ging. Und mit manchem, was geschehen ist, fälscht sich Geschichte auch selbst: Denn obwohl er als Familien-Gespiele der Je­shows erschossen wurde und als Dolmetscher der Tscheka nach Polen mit geritten war, starb Isaak Babel natürlich an seinen ehrlichen Geschichten über die Siege von Budjonnys Kosaken…

Ja, Uwes Agentur gab sich alle Mühe, aber ausgemacht war es damit noch nicht, dass in dreitausend Jahren Bioleks Kochbücher durchforscht werden würden wie heute die homerischen Gesänge. Diese Chance blieb Babel, und mit ein bisschen Glück brach auch neben einem unserer an sich harmlosen Jahresfeste ein Vesuv aus. Das wiederholten „arte“ und „phoenix“ eben immer wieder, das Sterben in Pompeji und Herkulaneum, mit von Bimsstein-Staub betonierten Lungen oder von der pyroklastischen Wolke entsaftet. Für das eine wie das andere gab es immerhin noch mich.     

Dabei hatte mein drittes Leben nicht wie eine Mission begonnen, sondern mit einem familiären Wochenende bei Computergenies auf dem Lande. Mikes Katharina stillte dort Mikes Abel, und so ergab es sich zwischen ihm, Uwe und mir, das etwas härtere Trinken bei einem etwas härteren Filmchen. Das durfte man in Deutschland zwar besitzen, aber niemandem zeigen, und ich zuckte die Schultern und erklärte es zu einer Ungerechtigkeit: sowohl gegenüber der bunt gemischten Brasilianerin als auch gegenüber dem schneeweißen Gaul. Uwe sah allerdings hauptsächlich mich an, und immer wieder klirrte der Hals der Finlandia-Flasche gegen das lächerlich schmale Gläschen.

„Und? Na, findest du das geil? Gefällt dir das?“

Nun wahrlich ohne Husten schluckte ich mein Quantum.

„Wieso? Kennt ihr die Kleine denn?“

Mike verdrehte hinter der John-Lennon-Brille die Augen und schüttelte den Kopf, bevor er an seinem Wässerchen starb. Er hob beide Hände gegen einen Riesen-Deal.

„Nein, nein! Lassen wir es!“

„Hej, das ist Tanja“, behauptete Uwe stolz. „Da ist das doch kein Problem! Nur eine Frage des Preises…“

„Kann ja sein… Aber es ist Quatsch, Alter! Ich habe es mir gerade anders überlegt.“

„Es ist wirklich kein Problem“, übersetzte ich Uwes mit dem linken Blinzeln kombiniertes, fast unmerkliches Nicken. Es ging um ein Geschäft, auch wenn mir das private Umfeld und meine Ahnungslosigkeit missfielen. Andererseits: Für unsere Macs irgendeine Schweinerei für Microsoft, für Kleinstweich Fensters, zu akquirieren, bereitete man besser im Geheimen vor. „Also ich habe schon mit Frauen gefickt, wenn es das ist.“

„Siehst du…“ Uwe goss mir vom Wessi-Wodka nach. „Und die Farbe ist Tanja ganz egal.“ Er ließ das Gläschen zwischen Daumen und Mittelfinger wackeln, dicht vor meinen Augen. „Allerdings, Tanja… Wir meinen nicht die Farbe der Frau.“

„Du… Du hast es ihr nicht mal gesagt“, maulte Mike und krümmte sich in seinem Sessel.

Ich grinste breit, nahm das Glas und trank es aus, und dann zog ich die Bison-Lederjacke von der Couchlehne und holte den Autoschlüssel aus der linken Ärmeltasche.

„Ich werde dann mal kurz an einem Baum fahren.“

Nein, ich nahm mir nicht mal die Zeit für ein Erschrecken, und Bedenkzeit brauchte ich schon gar nicht. Ich besaß ein Auto-, Konto- und Kreditkarten, und an Köln mit dem Versicherungsordner und den Koffern für die Riesen-BHs musste ich sowieso vorbei. Für die GRAPHIS-Jahrbücher mit den ausgezeichneten Werbe-Kampag­nen machte ich noch eine besondere Lift-Tour, mit Halsketten aus den tschuktschischen Pilzen und im offenen Wolfspelz schwitzend. Bestens ging es mir, und ich überschrie „Ton Steine Scherben“, bis es dämmerte. Dann suchte ich mir einen Rasthof, um für ein, zwei Stunden zu träumen, dass der Winter vorbei und wir frei waren, im Frieden bei den Menschen und unter den Tieren. Besonders unter den Bäuchen weißer Hengste…  Endlich wieder Aschermittwoch im Schlaraffenland.

Gut überlegt, wie sich meine Eltern an jenem Nachmittag vorsichtig erkundigten, war mein Aufbruch also nicht gewesen. Allerdings war ich nach der Rast die ganze Autobahn wie den Papierstreifen einer großen Rechenmaschine abgefahren. Mit Uwes Zumutungen konnte ich zugleich den Job in seiner Agentur und den Mietzuschuss der Firma streichen, und verglichen mit dem Karneval in Rio war der saisonale Frohsinn der Rheinländer auch provinziell. Die Jahreszahlung an das Fitness-Studio wäre in jeder anderen Stadt verloren gewesen, und die Arbeitsämter waren überall nur Filialen derselben ziemlich bankrotten Firma. Darum war die Schlaf-Couch im Kinderzimmer durchaus eine Alternative zu der grob gezimmerten Bank mit der Inca-Decke, neben der coole Hobby-Farmer ihre exotischen Tierchen zurecht gebogen hatten.

Freilich konnte man darüber streiten, ob es wirklich viel appetitlicher war, wie sich später die beiden Frauen in den zu heftig gegossenen Blumenkasten knieten, sich zu packen versuchten und sich abduckten und weg drehten. Sie sahen nicht nach Sport und nicht nach Performance aus, nur mürrisch und rheumatisch. Als die hagere Rothaarige der blonden Kosmetikerin das Bikini-Oberteil weg riss, johlte das Rentner-Dorf trotzdem, und damit gewann die Favoritin die erste Schlamm-Maske. Die braunen Klümpchen rutschten schnell, ließen schmutzige feuchte Spuren im Gesicht zurück, und die Gladiatorinnen klatschten gegeneinander und legten sich als Paar ins Moorbad.

„Und“, flüsterte Lutz und legte mir die Hand zu hoch auf den rechten Oberschenkel.

„Wie das antike Rom ohne Kolosseum und Tiger... Einfach eine schmutzige Sache, und da bin ich wirklich froh, tanzen zu können!“

„Wirst du! Elf Uhr abends, ja. Aber diese Alte da, die Blutige Mona, die hat doch was... Nein?“

Die Rothaarige spielte mit der Kosmetikerin wie die Katze mit einer Maus, ertränkte sie im Schlamm, holte sie zum Vorzeigen hoch und rieb sie mit dem Dreck ein. Nur in diesen Momenten versuchte die Unterlegene, zu entkommen oder einen überraschenden Schultersieg zu erreichen, falls die Regeln ihn zuließen. Als es ihr endlich gelang, die Ältere umzuwerfen, setzte sie sich auf ihren Bauch und schaufelte ihr die nasse Blumenerde ins Gesicht und auf die Brust.

Die meisten Zuschauer sympathisierten mit der Blondine, als der Jüngeren und dem Sex-Püppchen, aber offenbar war sie von Lutz zur Verliererin bestimmt. Die Blutige Mona spannte sich zur Brücke, warf die Kosmetikerin ab und legte sich auf sie.

„Ich könnte sie kriegen“, sagte Lutz. „Die German Figthing Cats, alle sechs und mit Terminen satt... Und ich würde dich zur Chefin machen.“

„Zur Managerin?“

„Zu ihrem Champion, Schatz!“ Er fasste mir wie einem siebten Kätzchen ins Genick. „Das stelle dir doch mal vor, Tanja! Mit einem richtigen Ring und professionellem Licht... Ich moderiere, und du... Nass, beschmiert und dampfend, und das bei deinen Dingern! Das wäre doch...“

Ich wandte den Kopf ab, aber die Männer vor mir waren aufgestanden und applaudierten einer Siegerin. Also schielte ich auf die Armband-Uhr, kramte die Zigarettenschachtel aus der Reisetasche und sah mich nach dem Notausgang um.

Seit der Osten Schröders Chefsache war und die Krise bis in die Unterhosen gerutscht war, phantasierte Lutz wie im Fieber. Und er brauchte im Grunde kein aufblasbares Bassin mit Lehm, um mir zu signalisieren, dass ich nicht mehr seine erste Wahl war und von der Besetzungscouch gedrängt werden sollte. Ein Satz genügte, diese einzige Wortgruppe: Deine Dinger.

In der plötzlichen Stille und in einer plötzlichen Gasse zwischen den Zuschauern stand die schlammverschmierte Blutige Mona und reckte den Arm gegen mich.

„Du, da! Jetzt will ich es mit dir versuchen!“

Lutz lachte und hob die Hände. „Von mir aus gern!“

Es waren zu viele Kerle, die sich umdrehten und mir in die Lederjacke starrten, auf das dünne und mit dem Pfingstschweiß auf den Leib geklebte T-Shirt. Sie ergaben die kritische Masse, und das rhythmische Klatschen war der Count Down.

„Kämpfen! Kämpfen! Kämpfen!“

Es war ein unfaires Arrangement aller gegen mich, und in diesem Moment hätte mir sowieso niemand geglaubt, dass ich alle lebenswichtigen Hebel und Blöcke, Würfe und Stöße beherrschte. Sie wollten sehen, wie ich die feine Garderobe auszog, wie ich mich im Schlamm suhlte und wie ich in das Gerippe der Blutigen Mona geflochten wurde, geduldig wie ein gekreuzigter Jesus das Klicken des letzten Objektivs abwartete. Deshalb stand ich stumm auf, zog die Jacke und die Jeans aus und warf, auf dem Weg nach vorn, das T-Shirt vor die Bauern.

Zweimal wich ich Mona aus, mit einer Drehung und einem Block nach unten, und in ihrem dritten Angriff säbelte ich sie mit dem Schienbein um. Ihre Beine flogen hoch, sie klatschte mit dem Hintern zuerst in den Dreck, und ich wusste von meinem Sensei Konstantin, dass nach einer solchen Landung nur Profi-Killer wieder hoch wollten.

Ich wechselte also im Kopf aus dem Karate-Dojo auf die Showbühne, wischte erst ein paar Spritzer von meinem Bikini und dann den Stoff von der linken Brust. Ich kniete mich neben die kreuzlahme Mona und panierte sie rundum, holte sie für eine Abreibung hoch und drückte sie wieder zurück in den Schlamm. Ihre langen Beine zappelten hilflos, statt nach dem festen Punkt für einen befreienden Hebel zu suchen, und Lutz befreite sie, indem er eine Sektflasche schüttelte und mich mit dem Schaum duschte. Wie er mich ansah, hätte er sie mir lieber über den Scheitel gezogen, aber der höfliche Beifall rettete mich, und ich winkte ihn ungalant ab und verschwand eilig durch den Ausgang neben dem Tresen. Mein Job war ja sowieso der Elf-Uhr-Tanz…

Mit einem Kolleginnen-Küsschen für die Tresenschlampe bezahlte ich die Biere für mich und Barbara, und ich setzte mich schon einmal auf die Kante des Schwarzen Quadrats aus Ringermatten und Teichfolie. Eingänge und Stirnwände waren beiseite und hoch gerafft, damit außer den sparsam gehängten Plakaten auch wir selbst einluden, die teuren Eintrittskarten zu kaufen.

„Langsam wird es Zeit für Mona, Lutz und die anderen“, sagte ich, weil die Geschichte vor dem heiklen Nachspiel war. „Dort haben wir Thomas, den Roady. Und der Mörder, der uns nachher fein einölen und auszählen wird, ist unser Rudi: Olympia-Trainer und Stasi-Spitzel.“

Barbara zuckte die Schultern. „Hallo, Thomas! Hallo, Rudi!“ 

Rudi brummte, schaltete kurz an der Wettkampf-Uhr und stapelte die Kartons mit den Latex-Oscars um, bevor er auf Socken und wie zum Finale über die Matte kam.

„Tanja musste ich nur ein paar verbotene, eben die attraktivsten Griffe zeigen.“ Die Zigarette lehnte er mit dem üblich tadelnden Kopfschütteln ab, aber er bog die Pranke um mein Bierglas und nahm einen ordentlichen Schluck. „Ansonsten renke ich den Mädels die Arme ein, und den besoffenen Säcken renke ich sie aus. Vor allem Tanjas Verehrern… Also seien Sie heute lieber nett zu unserer Preiskuh.“

Barbara fasste meine Hand, und wir zwinkerten uns zu und verflochten unsere Finger, auf die Sekunde genau. Gefolgt von vier gackernden Kampfhennen stolzierte Lutz ins Zelt, und Mona war die Nachhut der Prozession, eine hagere, sehnige Glucke. Sie sah wissend aus, wie eine Eilbotin der vernachlässigten Nachbarstöchter, und trotz unserer Arbeit hielt sie Paare wie Barbara und mich für pervers.

Mit den Kettchen klimpernd baute sich Lutz vor uns auf, und er drückte die Schultern nach hinten, um über eine breite Brust auf uns herabsehen zu können.

„Ich hatte mir deinen Frank irgendwie anders vorgestellt… Aber bei euch Ossis weiß man ja nie…“

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida