USP

Natürlich ist der Bratapfel-Kopf von Nikki Lauda kein Sammlerstück, und Michael Jackson ist, auch wenn seine Nase mal dran ist, der Favorit für meine persönliche Gespensterbahn. Manchmal kaufe ich den Helden des Wende-Herbstes trotz der Säufer-Gesichter eine Obdachlosen-Zeitung ab, und beim Tanz vor den Bar-Sesseln kann ich schon gar nicht wählerisch sein. Dann bin ich Salome vor dem Geschäftsführer der nicht mehr liquiden Herodes GmbH, und in Köln hatte ich von der späten Geburt begnadigten Eichmanns die Steifheit aus dem Nacken oder den Lenden massiert.

Nichts davon aber war so fürchterlich wie Frank, das durchwachsene Juni-Steak, an dem ich kleben geblieben war, als er mir nach drei Wochen seine Wohnungstür öffnete: Tropfen an der wunden Nase, die Augen als Höhlen-Seen voller roter Olme und um das Kinn borstig wie meine älteste Zahnbürste.

„Siehst ja… Es hatte nichts mit der Huren-Sache zu tun!“ Er schlurfte die Marathon-Strecke zu seinem Wohnzimmer davon. „Du wirst dich nur anstecken…“

„Weißt du doch: Ich bin Prinzessin Ebola, die schlimmere Krankheit“, beruhigte ich ihn.

Ich setzte mich in den Sessel und sah zu, wie er sich stöhnend auf der Couch ausstreckte, die drei verfilzten Decken bis zum Hals zog und die Nase wieder in Zellstoff verpackte. Auf dem quadratischen Tisch lagen die Insignien heutiger kommunaler Macht, an der linken Ecke geheftete Gesetzes-Kopien und ein roter Filzstift, ein modernes Handy und ein altmodischer Kalender.

„Warmer Wodka mit Zitronensaft und Honig hilft“, verriet ich ihm ein Kolchos-Bauernrezept. „Und vielleicht machst du mal einen Kindergarten nicht zu? Lasse sie die Mücken-Tümpel asphaltieren und richte aus, dass du auf der Stadtbezirks-Delegierten- Konferenz keine Rede über die wachsende Rolle der Bedeutung halten wirst! Ungeheuer wird das helfen…“

„Ach, Tanja! Wenn ich es dich sagen höre… Aber du hast da nicht so den Durch…“

Der Schleimhusten eines probe-sterbenden Kettenrauchers erstickte den professionellen Protest.

Wahrscheinlich hatte Cleopatra ihren Caesar versklavt, indem sie die Palast-Tür verstellt hatte, hinter der der Herrscher der Welt von der Influenza niedergestreckt war, und kein radikaler Feminismus bedrohte das Patriarch so heftig wie diese harmlosen Viren. Selbst die mitfühlendste Schwarze Witwe musste in so einer Situation einfach zubeißen, und noch die Beta- oder Gamma-Männchen würden über Steppen- oder Ozean-Meilen wittern, dass der dicke Mähnenlöwe oder ganz große Fisch aus der Begattungsfamilie zu verjagen war. Jeder Gymnasiast, der eigentlich Unterschriften gegen die neue Autobahn sammeln wollte, konnte in so einem Moment der Spartakus einer Ehesklavin werden.

„Lege mal die Hände auf die Decke“, verlangte ich.

„Wogegen hilft das?“

„Gegen nichts! Dann siehst du wie Lenin im Mausoleum aus: So kahl und so tot. Und ich mag Lenin.“

Ich beschloss, eine Büchse Henkersmahlzeit aus der Kaufhalle zu holen, in fetter Hühnerbrühe zerkochte Muschelnudeln. Zum Glück ignorierte der Handel die sicher richtigen und schlauen Einwände, die Franks Partei gegen die Aufschiebung des Ladenschlusses hatte.

Dabei kam Frank als kleiner Parteisoldat, höchstens einer von vielen Unteroffizieren, mit einer Grippe noch gut weg. Ich war als Naturwissen-
schaftlerin ja eher Atheistin gewesen. Gott würfelte nicht mit Einstein, sagte man, aber nur auf den ersten Blick erklärten Formeln und Modelle die Welt schlicht, wie vernünftig und konstruiert. Beim genaueren Durchblick entdeck-
ten wir immer das dahinter brodelnde Chaos, das weder in den Griff zu kriegen noch geistig zu fassen war. Als Heine- und Zeitungs-Leserin wusste ich jedoch, dass es in der unbesetzten Schöpfer-Werkstatt trotzdem einen Leiter für das Geschichtsressort gab. Sehr wahrscheinlich sah er wie Toulouse-Lautrec aus, und charakterlich war er ein Typ wie Richard der Dritte von Shakespeare.

Von ihm kam die Auskunft, wenn antike Helmut Kohl die Grenze überschreite, werde er ein großes Reich zerstören, und er hatte Hermann den Cherusker zum Hilfssheriff von Publius Quinctilius Varus ernannt. Er steckte den Pizarros die ersten Zigaretten in die goldenen Etuis, und während die Pariser Katholiken die von ihm angekreuzten Hugenotten-Häuser leer mordeten, teilte er sich in seinem Hotelzimmer eine Hure mit Henri de Navarra. Er zeigte Napoleon den kürzesten Weg nach Moskau, um die Stadt dann abzufackeln, und er schlug Zar Alexander III. gerade an dem Tag, als ihm das Gnadengesuch für Lenins Bruder vorlag, mit einer Migräne. Und so weiter. Als Honecker nach seiner Krebs-Operation an der Charité-Tür verhaftet wurde, als hätte er der Krankenschwester einen bösen Witz über sich erzählt, mochten Frank und seine alten Genossen jenen Abteilungsleiter für einen Antikommunisten gehalten haben. Er aber war über eine so billige Parteinahme erhaben, wie die Beispiele zeigen, und er regelte ja auch die weniger prominenten Fälle. Die Kandidatin einer der modernsten Wissenschaften Tatjana Petrowna Zorn etwa verlockte er nacheinander gleich in mehrere der ältesten Gewerbe der Welt.

Wen man zum neuen Inspektor für Katastrophenschutz wählen sollte, war schon an die Mauern der Bordelle von Pompeji geschrieben, und mir klatschte Monate nach Zypern überraschend Post einer Werbe-Agentur durch den Briefschlitz der Dienstmädchen-Kellerwohnung. Vergeblich hatte ich ein paar von den Studienräten meine Adresse diktiert, und nun steckten drei von meinen Aphrodite-Fotos und eine Einladung zum Foto-Shooting im Umschlag. Der Schwiegersohn eines der Senioren suchte für eine Image-Kampagne der Kölner CDU ein neues Durchschnittsgesicht, der verdammte schwarze Affe.

„Nein, wieso sollte ich ein Problem mit denen haben“, sagte ich dem kleinen Team, das mich mit einem Riesenlätzchen an den Schminkstuhl fesselte. „Da könnte ich sogar eintreten, wenn die mit einer ostdeutschen Kommunistin und Tschuktschen-Hure für sich werben wollen. Ist doch sehr christlich…“

„Was sind denn Tschuktschen“, fragte Uwe und nuckelte an der Cohiba wie später Monika Lewinsky am amerikanischen Präsidenten. „Und diese Freundin… Ist sie wenigstens… niedlicher als du?“

Noch zwei Jahre danach behauptete er, gefragt zu haben, was für eine Position „tschuktschisch“ sei, aber DAS war sein Text. Die Visagistin verbot sich auf sein Stichwort ja auch jede Kritik: Mehr sei aus so einer Visage einfach nicht zu machen.

„Wenn mein Schwiegervater das beim Knipsen hinbekommen hat… Und wenn du in der Branche was verdienen willst, Kleine, dann musst du was für deine Titten machen. Ehrlich!“

Gut, ich war locker angetanzt, neugierig und belustigt, den BH nur in der Reistasche, aber ich war schon über jedes Verfallsdatum für Models, und auch sonst war an dem Shooting nichts ehrlich. Die Honorare für das Team und die Tagesmiete für das fein möblierte Büro sollten dem Auftraggeber nur beweisen, wie teuer es werden würde, der von Uwe vorgeschlagenen Lösung weiter zu widersprechen. Betrug konnte das niemand nennen, weil wir für das Geld ja arbeiteten, und eine angenehme Besonderheit des Berufes war, dass sich originelle Ideen auch auf einem Zug durch die Gemeinde erarbeiten ließen.

Dabei versprach ich Uwe ungefragt eine unvergessliche Hotelnacht, wenn er Helga entschädigte. Das war doch der Kern seiner Einladung, und ich war eine russische Kernphysikerin, die erst zur Hure umschulte. Als ich zum Orangensaft Wodka bestellte, glaubte er mir das, und lachend verlangte ich eine Probe seiner Arbeit, von der so viele Leute gehört hatten wie von meinem Tschernobyl.

Es war mein erstes West-Date, und es war ein Flirt mit seiner Agentur, die auch das Doppelbett im „Maritim“ bezahlte, in dem Uwe schon einschlief, während ich noch in der Wanne saß. Weil die Kolleginnen im Massage-Salon noch zu arbeiten hatten, weil es versprochen war und gut zu den MTV-Videos passte, leckte ich aber ein noch ein bisschen an seiner Brust und an seinem Schwanz.

Vom Wodka Trinken abgesehen war meine Fähigkeit, mit abgespreiztem Arm schlafen zu können, am wichtigsten für meine Karriere. Dadurch konnte ich die Hand zwischen Uwes Beinen liegen lassen, und um diese Geste drehte er beim langsamen Aufwachen seinen Lieblingsfilm für das Kopfkino. Ich schützte seine Kronjuwelen, diente ihnen geduldig und begehrte sie offenbar noch im Traum, und das waren ihm wohl Indizien dafür, dass er es mir noch als bewusstlose Schnapsleiche richtig besorgt hatte. Und das natürlich: Das Gähnen beim Frühstück im Palmengarten der Hotelhalle verlangte mir gar keine Verstellung ab.

„Wie gesagt: Die CDU kriegt nur ihre blonde Kindergärtnerin“, bestimmte Uwe und schlürfte den Orangensaft an den Eiswürfeln entlang. „Aber du… Du könntest doch mal als meine gute Bekannte einen Pharma-Onkel unter den Tisch trinken? Oder ins Bett… Machst du so etwas?“

„Bezahlst du so etwas?“

Ich fragte, um nicht zu jubeln, und Uwe nahm das als Bestätigung seiner Überlegenheit und zum Anlass, mir vom Buffet ein Glas Milch zu holen, mit viel klumpigem Kinderkakao darin.

Genau genommen bezahlten mich Rotkäppchens Großmutter und ihre Krankenkasse über die Tropfen für die großen Augen, Die kannte der Märchenwald-Doktor aus dem neuen Bilderbuch der Werbeagentur, und wie für Bilder und Text hatte die Dr. Wolf GmbH  Uwe meine Aufmerksamkeiten für den Marketing-Chef als „Individuelle Betreuung“ bezahlt. Oder weniger vornehm ausgedrückt: Um den Auftrag zu bekommen, bestach Uwe mit der Naturalie meines Körpers den Auftraggeber, der dafür selbst bezahlte und mein Honorar auf den Tropfenpreis umlegte. Arme kranke Oma…    

Trotzdem dürfen Sie die Besitzer der drei Werbe-Studios in ihrem Dörfchen weiterhin freundlich grüßen. Einer ist sicher der aus politischen Gründen entlassene Zeichenlehrer Ihrer Kinder, und die anderen beiden hatten dieselbe Vision wie Bill Gates, mit ihrem Computer unglaublich viel Geld verdienen zu können. Sie leisten sich auch keine bestimmt keine Bekannte wie mich, sondern zahlen von den Einnahmen aus der Visitenkarten-Gestaltung die zu großen Jeeps und die neuen Farb-Laserdrucker ab. Würden ihre Ehefrauen Ihnen nicht ab und zu neue unnötige Versicherungen andrehen, hätten die Werbefuzzis vor Ort nicht einmal die Maschinen und das Pulver für den Kaffee beim Kundengespräch. Ihre kleinen Betrügereien reduzieren sich darauf, die mit dem Programm „Corel Draw“ gelieferten Grafiken als eigene Zeichnungen zu vergrößern, und sogar darin steckt eine echte kreative Leistung. Immerhin brauchen die nebeneinander liegenden Friseur-Discounter, die dieselbe Skizze der Locken-Lady im Firmenschild haben, jeder für sich die Überzeugung, das Original bezahlt zu haben. Vertrauen Sie unter Existenzgründern diesen Spezialisten, wenn sie Ihnen für den Versuch mit dem Bestattungs-Unternehmen die Leuchtschrift ausreden und zu Buchstaben aus neongrüner Klebefolie raten! Die Farbe passt selbstverständlich nicht, die Schriftart wurde wahrscheinlich für eine Striptease-Bar in Las Vegas entwickelt…, aber der Kleber hält so lange, dass der Nachmieter Ihres Ladengeschäfts einen professionellen Fensterputzer beschäftigen muss, um die Erinnerung an Sie zu tilgen. 

Nein, ich verspotte meine ehemaligen Kollegen nicht. Wie langweilig leer wäre das Meer um die Haie, würden nicht die gelb-weiß gestreiften Pilotfische versuchen, abgerissene Bröckchen der Beute zu fangen, und die Katholische Kirche und die Vatikan-Bank wären heute noch so arm wie Jesus und seine Jünger, würden nicht in jedem Kaff ein, zwei  selbstlose Missionare und Prediger wirken. Man sieht diesen fleißigen Menschen, ob dünner oder dicker, das Kapital ihrer Branche ja nicht nur nicht an: Goldreserven für 83 Milliarden Dollar zum Beispiel. Mit großer Wahrscheinlichkeit wissen sie darum selbst nicht: Weder vom Startgeschäft der Finanzierung der Mussolini-Kriege noch von der Mehrheitsbeteiligung an der Produktion der italienischen Antibaby-Pille, weder von der Geldwäsche für die Mafia noch vom Waffenhandel mit den südamerikanischen Diktatoren.

Um aber auch zwei Unterschiede zu benennen: Anders als Uwe muss der Papst keinen Geschäftsbericht seiner Firma vorlegen, und seine Angestellten sind gehalten, sich gerade um so kleine Laster wie sozialen Neid, Wut auf das Arbeitsamt und Onanie zu kümmern. Ich aber lernte von Uwe ziemlich früh den Satz, der sogar aus einer Werbe-Agentur eine Art moralischer Anstalt machte, der mich bei meiner Rückkehr nach Ostdeutschland zurück in die ehrliche Hurerei leitete und für den mich Frank sein Bisschen liebt: „Für sowenig Geld werde ich doch nicht lügen!“

Erstaunlich viele Mütter und Kinder bewarben sich da als Stadtväter seiner Partei, und ihre Passbilder waren bereits zu Plakaten vergrößert, aber der aufrüttelnde Brief an uns Wähler war noch nicht fertig.

„Sie sind sich im Vorstand nicht einig geworden, ob sie eine soziale Stadt oder eine solide Haushaltspolitik versprechen sollen“, erläuterte Frank die verschiedenen Stapel der Positionspapiere. „Und wir müssten unterbringen, dass wir für die Legalisierung der Drogen sind… Aber so, dass es drin steht und doch nicht auffällt! Und wegen der Grünen sind wir gegen das Riesen-Parkhaus in der Neustadt. Das sind so die Knackpunkte, die wir in eine knackige Zeile bringen müssten.“

„Wir machen, was Ihnen gefällt?“

„Also so ist das ja nicht! Wir sind schließlich eine sozialistische Partei. Demokratisch zwar, auch wenn das nicht alle glauben… Und das macht es doch so schwierig!“

„Drogen frei, Armenküchen her… Beamte entlassen!“ Damit er nicht warm wurde, trank ich auch den zweiten Cuba Libre in einem Zug und schüttelte das Glas, um meinen drolligen Revolutions-Geschäftsführer mit dem Klingeln der Eiswürfel zu wecken. „Sage doch mal was, was nur ihr wollt! Und das ist es dann…“

„Vielleicht…“ Frank ließ die verschiedenen Konzepte wie in einem Daumen-Kino durchlaufen. „Wir wollen wirklich für alle regieren! Soweit man die Verwaltung einer Stadt überhaupt Regierung nennen kann…“

„Aber alle regieren sowieso für alle! Und ich dachte, Kommunisten sind für die Armen da…“

„Sozialisten nur, und demokratische“, sagte Frank und nippte nur vorsichtig am Extremismus-Treibstoff aus echtem Havanna-Rum und Vita Cola. „Und Arme… Wer will das schon zugeben, und wer weiß dann schon, was er will? Außer dem Parkhaus… Wenn wir auf die setzen, kann ich schon immer mal im Arbeitsamt vorbei. Bitte, Tanja! Ich weiß doch, dass du es kannst…“   

Noch kein Wort hatte er von einem Honorar gesagt, aber ich konnte ja überschlagen, was es mich kosten würde, im unbezahlten Urlaub nach der verlangten Zauberformel zu forschen. Und gerade weil mir keine Einheimischen einfielen, denen ich einen Zusatz-Verdienst verschaffen konnte, würde ich am Ende vielleicht Uwe anrufen, mit dem Flugzeug besuchen und unangenehm tabulos zufrieden stellen müssen.

„Für sowenig Geld werde ich doch nicht lügen“, sagte ich also, zuckte unter dem Einschlag der Idee zusammen und zündete mir erst einmal eine Zigarette an. „Weil Sie uns doch kennen… Oder hat es vor vier Jahren auch schon keinen Grund gegeben, euch zu wählen?“

„Weil Sie uns doch kennen“, wiederholte Frank, durchaus ehrfurchtsvoll. „Genau genommen kennen die unsere Stadtverordneten eher nicht… Was auch besser ist… ‚Weil Sie uns doch…’ Ach, ich wusste es, Tanja! Das ist raffiniert!“

Der Slogan ist, soweit ich weiß, noch immer ungebraucht zu haben, denn Franks Genossen war er angeblich zu unentschieden, und dazu birgt er ein Risiko für jede Partei, die ihn verwenden würde: Was wenn die Wähler gerade nicht an das Geschwätz erinnert werden wollen, auf das sie beim letzten Mal herein gefallen waren, sondern neue Versprechungen verlangen? Oder neue Politiker…?

Auf der Wahl-Party stellte mich Frank seinen erfolgreichen Genossen als die Texterin des eigentlich besseren Spruchs vor, und ich war von den alten Männern wirklich begeistert. Die Wölbungen in meiner Lederjacke und die breit ausgekämmten Haare verführten sie keineswegs dazu, mich nicht zu ver­achten! Eine gewisse Rolle mochte spielen, dass die drei Wählerkreuze die bei der Listen-Aufstellung abseits platzierte unbeliebte Werbe-Unternehmerin weit nach vorn befördert hatten. Und dass sich Politiker noch penetranter als Marketing-Direktoren einbildeten, die besten Worte über ihr Produkt selbst zu finden… Alles in allem aber war ich dort keine Heldin, sondern wie Hamlet wünschten alle, ich wäre ein so ehrlicher Mann wie ein Fischhändler.  Die daneben gehenden Witze wiesen darauf hin, und es half gar nichts, dass ich ihnen Marx und Engels als Genies auch dieser Branche vorstellte. Um „Das Kapital“ ins Gespräch zu bringen, sollte Engels einige Verrisse geschrieben und publiziert haben, aber die Älteren hielten das für eine Verleumdung und die Jüngeren kannten weder den Titel noch die genannten Autoren.

So brachte ich die Zeit in der vollen Arme-Leute-Kneipe, die ich schon vom Gundi-Konzert kannte, damit zu, auf verschiedene Arten den Kopf zu schütteln. Außer Frank kannte ich ja niemanden, und er kam erst nach elf Uhr auf eine Entschuldigungsrede zu mir.

„Das ist super“, sagte ich und prostete ihm mit dem „Radeberger“-Henkelglas zu. „Sie würden mich viel mehr lieben, wenn du mich als Stripperin und Schlamm-Catcherin vorgestellt hättest!“

Frank schüttelte den Kopf. „Also nicht die Feministinnen… Aber irgendwann, wenn es besser passt, sage ich es ihnen. Versprochen!“

„Du klingst wirklich schon wie Honecker“, sagte ich, nahm ihn in den Arm mit dem Bierglas und knutschte ihn wenigstens unanständig ab. „Ob es mir was hilft, weiß ich nicht… Aber ich gratuliere dir zu vier weiteren Jahren Lohnarbeit!“ 

Die fürchterliche Grippe, die das in Frage stellte, bekam er ja erst ein paar Monate später, und natürlich maulte er kein bisschen, als ich ihm vier Eier in die kurz vor Acht gekaufte und heiß gemachte Hühnersuppe rührte. Welche Agentur die Legende, dass so etwasdie beste Erkältungsmahlzeit war, den Großeltern-Hirnen penetriert hatte, müsste übrigens mal jemand untersuchen.

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida