Frank. Und fast frei.

Ursprünglich hatte der Hormongehalt der Pille die Monatsblutungen ganz natürlich verhindert, und ich war fassungslos, als ich irgendwo las, dass die Kerle danach aus Marketing-Gründen weiter geforscht hatten. Sie ließen uns die Freiheit also nur ahnen, um uns um so regelmäßiger an die biologische Versklavung zu erinnern, mit dem üblichen Blutvergießen, dem Sprengschmerz im Kopf und den verlegen bis panisch suchenden Blicken zu den Türen zu voller Toiletten. Damals hatte die Lobby aus Psychiatern, Pillendrehern und Monatsbinden-Fabrikanten die Wissenschaft also so fest im Griff wie Jahrzehnte später, als niemand auf die Idee kam, in jede Hunderter-Packung Viagra fünfundzwanzig Prozent Traubenzucker-Vierecke zu packen, um an die Natur zu erinnern...

Immer wieder und egal womit und auf welcher Ebene reproduziert die strukturelle Gewaltherrschaft des hypochondrischen, zur Dickbäuchigkeit neigenden und früh haarenden Geschlechts die Unterwerfung des Weibes; die ganze Zivilisation wird – und es ist logisch, dass Marx als Mann da irren musste – vom Grundwiderspruch bewegt, dass die Männchen nur selten so unwiderstehlich sind und nie so oft können, wie sie möchten und nach den Selbsttäuschungen der zum Ausgleich dessen erfundenen Gesellschaft müssten.

Wirklich überlebensfähige Tiergattungen helfen sich da anders, eben unverstellt. Als höchsten Akt leeren sich Lachs-Sie und Lachs-Er in den Tümpel der Sehnsucht, die meisten Löwen-Männchen verhungern jungfräulich, wenn sie sich nicht auf Sex oder Tod mit dem Günstling einer Weiber-WG beißen wollen, und die Delphine beweisen in dieser Beziehung nicht nur höchste Intelligenz, soziale Verantwortlichkeit und hydrodynamischen Perfektionismus. Das beim Schwimmen störende Teil bewahren ihre Bullen in einer wie weiblichen Leibesfalte, und wenn einer von ihnen mit seinem Zepter herum spielen will, rammt er es Weibchen oder Männchen in diese Falte, die auch für den oralen Sex mit den süßen runden Delphinschnauzen empfänglich ist.

In feudaleren Verhältnissen hätte ich mir freilich die Schwarze Witwe ins Wappen malen lassen, als Lockzeichen wie als Erinnerung, dass ich auch im  Moment der Zufriedenheit keinen schonen durfte, wenn ich nicht am Morgen danach alt, faltig und verlassen weiter kriechen wollte.

Aus Gründen der Selbstachtung musste frau die Männchen, wenn frau sie zwischen den haarigen Beinen hatte, weich reiten und melken, und frau musste sie dazu beißen, aussaugen und verdauen, bis nur noch die äußere Hülle aus ihrem sozialen Chitin übrig war. Mit der ganzen Welt als ihrer Tankstelle füllten sich die Anwälte, Baumarkt-Spitzel, C++-Programmierer, Dorfschullehrer, Eselstreiber, Fleischermeister, Gefreite, Hilfsassistenten, Ingenieure, Journalisten, Kommissare, Landvermesser, Motorrad-Händler, Notare, Obstbauern, Pastoren, Querdenker, Rhetorik-Professoren, Schneider, Touristenführer, Unternehmer, Versicherungsvertreter, Walforscher, X-Kreuz-Tischler, Yacht-Kapitäne und Zahnärzte bis zum nächsten, spätestens übernächsten Abend schon wieder auf.

Meine deutschen Berufe waren nie von der Art, dass ich diese Überzeugungen herum rufen konnte, aber es waren ja auch mehr praktische Ansichten. Mit nichts als dem offenen Hemd auf dem Leib beim späten Frühstück zu sitzen, war schon eine ihrer Manifestationen, und dann war mir egal, ob der Kaffeekocher das als Unersättlichkeit oder Schamlosigkeit verstand. Nur romantisch rüber zu kommen, wäre mir nicht recht gewesen, und ich fand ziemlich komisch, wie Franks Blick unentschieden zwischen seiner Kaffee-Tasse mir und meinem Bücherregal hin und her hetzte.

„Keine Bilderbücher dabei“, sagte ich und grinste. „Hauptsächlich Gedichte und Ausgewählte Werke… Da kann ich dir aber welche borgen, und du hättest einen ganz harmlosen Grund, noch mal  vorbei zu kommen.“

„Ja, genau…“ Vorsichtig holte er Aschenbecher und Zigarettenschachtel näher. „Wyssozki, zum Beispiel, habe ich damals nicht abgekriegt.“

„Und Wyssozki ist sehr gut.“  Ich streckte die Hand aus, und er steckte mir umständlich die für sich angezündete Zigarette zwischen die Finger. „Aber du lässt wegen mir keine Kinder verhungern und keine Klienten warten, nein?“

„Sehe ich denn wie ein Rechtsanwalt aus?“

„Wie Fidel Castro? Nöö, wirklich nicht…“

Ich stand mit dem sicheren Gefühl auf, ein paar Widerhaken in sein Gedächtnis versenkt zu haben, und wenn nun nichts weiter passierte, würde ich eines Tages doch Band 3 und 4 von „Moby Dick“ schreiben können: die Tragödie eines grauweißen Wals, der in allen kalten Meeren nach seiner ganz unglaublichen Fischersfrau suchte.

Weil es ein sonniger Nachmittag war, wählte ich von meiner Aerobic-Garderobe nur das rote Schweißband, und über die schwarz gefärbten Haare gezogen gab es mir ja außerdem etwas Indianisches. Dass er mich mit seiner Unentschlossenheit ins Fitness-Center trieb, sprach auch für die Verlobung mit Frank. Für den Fall, dass er aus den Augenwinkeln zum Kleiderschrank schielte, hielt ich ein paar meiner Slips und Strings hoch, und dann verpackte ich mich wie gewohnt emanzipiert: Männerhemd, Jeans und zerfledderte Turnschuhe. Und ja, das mit dem Lieder-Buch hatte ich ernst gemeint, und meine mobile Nummer konnte er vom Handy ablesen, das unter dem getrockneten Rosenstrauß zu einem Geburtstag, nach dem er klugerweise nicht fragte, genau darauf wartete. Der kleine silberne Kuppler sammelte alle nicht lebenswichtigen Anrufe, registrierte, welchen Kerl wann der Hafer gestochen hatte, und erinnerte beim Zurückrufen, dass mich jede dieser Beziehungen teuer zu stehen kommen konnte. 

Weil er schwor, nicht der Bürgermeister zu sein, nahm ich Frank noch bis in die Nähe des Rathauses mit, und dann ergab ich mich einem Protokoll, nach dem Muhammad Ali der Größte und Nofretete die Mitregentin ihres verrückten Pharaos geworden war. Wenn ich mich nicht dem Gewicht der Titten beugen wollte, brauchte ich Ringerschultern, nur vor einem Karatebauch bekam ich abends meine Bayern-München-Beine lange genug hoch genug, und die einzige sinnvolle Alternative zur Sonnenbank wäre die Fesselung an einen Döner-Spieß gewesen. Selbst beim besten Wetter wurde ich ja nicht so fleckenlos braun, dass ich an schweißfester Kosmetika sparen konnte, und so landete ich an den Trainingstagen noch für zwei Stunden am Tresen der „Boutique Evita“ an.

Selbst wenn der Name ein wenig hochstapelte, gab es in den Erdgeschossen der Plattenbauten um die „Schinken-Bar“ kein anderes so unbesuchtes und darum aufgeräumtes Geschäft, und Elke, die Besitzerin und einzige Verkäuferin, fror und welkte in selbst nach genähten Madonna-Korsetts, die in der Gegend aber niemand erkannte und deshalb auch nicht bestellte. So genügte mein Abonnement auf laszive Strumpfbänder, immer zum Espresso eingeladen zu sein, und wir hockten dann bis zum Ladenschluss auf den Barhockern und nippten ab und zu am Johnnie Walker Black Label, den wir abwechselnd bezahlten.

„Also wenn ich überlege, was für Mamis unter welchen Kittelschürzen meine Dessous anziehen, dann möchte ich den Konkurs lieber morgen als übermorgen anmelden“, maulte Elke dabei zuverlässig. „Und meine einzige Stammkundin ist eine Nackt-Tänzerin... Es ist zum Mäuse melken!“

„Aber für Mäusemilch gibt es bestimmt auch keinen Markt“, warnte ich und versuchte ein aufmunterndes Lachen. „Und nach der nächsten Tabaksteuer-Erhöhung ist wahrscheinlich nicht mal mehr ’n Zigarettenladen eine sichere Sache.“

„Und dabei gibt es zweihundert Millionäre, sogar in unserer Ecke!“

„Na, konkret gibt es die wohl eher im Grünen...“

„Schon... Aber das macht doch bestimmt 150 Frauen, 100 Geliebte und 50 Töchter! Verrate mir mal, wo die alle einkaufen!“

„Altmarkt-Passagen“, fragte ich vorsichtig.

Elke schüttelte energisch die kummerfettigen Locken. „Nein, nein! Zwei Marken habe ich hier exklusiv, und für so etwas fahren die in Bayern auf die Alm!“

„Tja, da fahren unsere Millionäre dann wahrscheinlich auch hin… Das wird es sein.“

„Und was machen wir dann noch hier?“ Elke hob das Glas. „Na, Prösterchen!“

Wahrscheinlich aber besaß Elke schon einen Geldsack und wollte mich nur zu einem Dreier verführen, denn ich sah sie eigentlich nie etwas verkaufen und im Wechsel der Jahreszeiten wechselte sie auch die im Schaufenster ausgestellten Waren. Sie wollte dann gelobt werden, weil sie die ausgeblichenen Stücke nicht im „Reste-Container“ versetzte, sondern im Sammel-Container des Roten Kreuzes versenkte. Eigentum verpflichtete auch die Unternehmerin Elke, obwohl sie persönlich argwöhnte, dass die beschenkten Neger- und Russenweiber ihre Spenden nicht mehr zu schätzen wussten als ihre Nicht-Kundschaft.

Dass mit den Russenweibern versetzte mir jedes Mal einen Hieb in die Magengrube, auch durch die trainierten Muskeln, weil ich beinahe selbst eins davon geworden wäre und von zweien wusste, die meinen Lebensweg nicht unwesentlich beeinflusst hatten. Und obwohl Elke damals noch als Konsum-Verkäuferin Abendkleider von der Stange verkauft hätte, hätte sich zumindest die Beischlafdiebin mit den geschwollenen Lippen alle zehn gequetschten Finger danach abgelutscht.

Ihr linkes Auge war zu geschwollen und blau, die Lippen waren von einem Faustschlag geplatzt und geschwollen, und die Haare hatten sie ihr unordentlich in sehr kurze Strähnen geschnitten, bevor die Komsomolzen sie auf den Spitzelhocker meiner Zelle setzten.

„Ich bin nur ein bisschen ausgerutscht“, sagte sie.

„Und gleich noch in einen Mähdrescher gefallen, oder was?“

„Quatsch! Und das musst du verstehen... Ich bin so was wie eine fest angestellte Beischlaf-Diebin, aber sie glauben mir nicht, dass der verdammte Computer-Samurai keine geheimen Konstruktionspläne im Hotel rum liegen lässt. Ist also eine interne Untersuchung, und da sind sie eben bisschen aufgeregt.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Und du?“

„Also ich bin keine Beischlaf-Diebin“, begann ich bereitwillig. Erst im letzten Augenblick dämmerte mir, was der einzige rationale Kern meiner irrationalen Verhaftung sein konnte. Man wollte testen, ob ich über die letzten vierzehn Tage von Reaktor IV plaudern, die sowjetische Technik schmähen und die sowjetische Intelligenz verleumden würde. „Ich bin wirklich unschuldig.“

„Klar. Musst es mir auch wirklich nicht erzählen!“

„Danke!“

„Aber wenn die dich zu so einem Koreaner bringen, der vielleicht auch ein Mongole ist“, sagte die Beischlaf-Diebin, „dann rede lieber! Sonst rutschst du auch aus... Wenn du verstehst...“

„Alles würde ich doch erzählen“, sagte ich. „Wenn ich nur wüsste, was man hören will... Ich meine: ich bin zwar Beststudentin, aber was kann man als Studentin schon schlimmes wissen oder tun?“

„Obwohl du mir alles erzählen kannst“, sagte die Beischlaf-Diebin. „Vielleicht kann ich Dir einen Tipp geben. Ich kenne die Jungs ja ziemlich genau.“

Ich hörte mir ihre Geschichte der gescheiterten Film- und Mannequin-Karriere an, erinnerte mich an ein paar Schauspieler-Namen und schwärmte von ein paar US-Filmen, und ich verteidigte ihr die russische und sowjetische Literatur zwischen Tolstoj und Trifonow und die Filme von Eisenstein. Wenn meine Überlegungen stimmten, durfte ich nun nicht schweigsam sein, sondern musste beim Plaudern nur ein einziges Thema vermeiden.

Nach zwei Tagen mit der Beischlaf-Diebin ging, als die Betten abgeschlossen worden waren und wir für den vergeblichen ersten Schlaf-Versuch lang lagen, das Licht aus.

„Scheiße“, sagte die Beischlaf-Diebin. „Das bedeutet Lefortowo. Dann sind sie hier fertig mit uns, und wir werden bis zum Prozess bei Elena einsitzen.“

„Elena“, fragte ich. „Und das ist wohl sehr schlimm?“

Elena saß das dritte Jahr ein, weil sie nach zehn Jahren unglücklicher Ehe ihren hähnchendürren Mann kastriert hatte, mitten in der Vergewaltigung der vierzehnjährigen Geigenschülerin der Gemeinschaftswohnung. Die zehnjährige Geduld hatte das Gericht an der Uneigennützigkeit des Zugriffs zweifeln lassen, ihr ehemaliger Mann war bis zum Tag der Verschneidung Verkaufsstellenleiter und Parteimitglied gewesen (was freilich nur im Deutschen einen Wortwitz abgibt), und während ihrer Untersuchungshaft war Elena für das Lefortowo-Gefängnis unentbehrlich geworden: rein körperlich wog sie drei Aufseher auf, als Scharfrichterin schüchterte sie die schärfsten Mafia-Bräute ein, und als sei sie nur dienstlich versetzt worden, organisierte sie statt der Putzkolonne im GUM nun die Reinigung der Zellen und Gänge. 

Ich wurde zusammen mit der Beischlaf-Diebin nach Lefortowo gebracht, und wir standen schon nackt in einem dunklen kalten Raum, während Elena noch mit den neben ihr zierlich wirkenden uniformierten Kugeln verhandelte. Es ging um den Gummihandschuh, den sich endlich Elena über die rechte Pranke zog, um die frisch gelieferten Leibeshöhlen zu untersuchen. Sie begann mit dem Lutschmündchen meiner Nachbarin, ließ sie dann beinahe professionell stöhnen und fingerte ihr schnell und grob im Hintern.

„Mund auf, Deutsche“, befahl sie mir dann und hielt mir zwei braun verschmierte Finger triumphierend vor das Gesicht.

„Fick deine Mutter“, zischte ich hinter den aufeinander gebissenen Zähnen.

„Doch nicht die gute Alte, wenn ich dich haben kann!“

„Das ist Vorschrift“, assistierte eine der Aufseherin, und sie bekam rote Ohren. „Du musst dich untersuchen lassen!“

Sie sah auch zweifelnd zu ihrer Kollegin, aber die machte eifrig den Gummiknüppel von ihrem Koppel los.

Also kniff ich die Augen zu und machte den Mund auf. Ich würgte noch gegen den Brechreiz, als ich schon die Faust zwischen den Beinen hatte, und dann wäre mir jede im Darm versteckte geheime Botschaft in den Magen gestoßen worden. Ich jaulte und heulte wie eine gefangene Wolfshündin.

„Also die macht euch keine Schwierigkeiten mehr“, versprach Elena den staatlichen Autoritäten und legte mir den schweren Arm auf die Schultern. „Dafür bürge ich! Aus dir mache ich eine vorbildliche Gefangene der Sowjetunion, du deutsche Verbrecherin!“

Die Beischlaf-Diebin wurde nach der Einkleidung in der neuen gebrauchten Sträflingskluft in eine andere Richtung weggeführt, und ich musste zu einer Friseuse, die umständlich lange mit der Schere arbeitete, bevor sie die Maschine nahm und mir die Haare auf vielleicht drei Millimeter stutzte.

Kaum war ich in Elenas Residenz, rissen mir zwei kaukasische Olympia-Boxerinnen die Bluse vom Leibe und eine dritte kippte einen Eimer schmutziges Wasser aus, verteilt auf die Gänge zwischen den drei Reihen Doppelstock-Betten. Die Bluse fiel als Wischlappen, und wenn ich später davon erzählte, weshalb ich das nicht oft machte, schüttelte mich diese Erinnerung schon: magere und behaarte Waden, aber auch schwammig glatte Unterschenkel zwischen den grauen Rocksäumen und dem groben schwarzen Leder über den dicken Holzsohlen. Es waren die Beine von siebzehn Gefangenen, zwischen denen ich als Nummer 18 kroch, aber sie kamen mir wie eine Taiga vor. Wie die Kolben im Diesel eines Panzerkreuzers hoben sich die Latschen, und jedes Mal stockte ich in meiner ersten Häftlingsarbeit. Halfen mir die Holzklötze oder würden sie meine Hände zermalmen? Manchmal klatschten Spuckefladen dicht vor mich, manchmal trafen sie Schultern und Hände, und in der finstersten Ecke, wo das Bett für mich unbezogen war, ging ein rothaariges Kind in der Grätsche nieder und pinkelte auf den Beton. Ich wischte auch diese Pfütze weg, wrang die Bluse über dem Plaste-Eimer aus und zog sie danach an.

„Jetzt kriegen wir bestimmt Punkte im Hygiene-Wettbewerb, Genossinnen!“ Mir zitterten nicht nur die Knie. Ich hatte mir die Kniescheiben wund gerieben, aber ich wollte um keinen Preis Angst zugeben, Betroffenheit oder Ekel. Sie hatten mich gedemütigt, aber nicht besiegt. „Und wechseln wir dabei täglich oder jeden zweiten Tag?“

„Eine Komikerin“, sagte die breitere Boxerin und fing meine Hand schon vor dem Zuknöpfen der Bluse. „Und Schauspielerinnen sind doch Schlampen, nicht?“

Diesmal nahmen sie und ihre Kolleginnen den Stoff, um ihn mir um den Kopf zu wickeln, und sie kippten mich auf das Bett, wo ich mich nicht dagegen wehrte, nur etwas aufzuckte, als mir eine ganze gynäkologische Klinik flüchtiger oder gründlicher einen Guten Tag sagte.

„Ich würde mich ja um dich kümmern“, bot mir Elena nach dem Auspacken meines Kopfes an, und sie zwinkerte mir zu. „Natürlich nur, wenn du das auch willst...“

Ich nahm die Beine vor die Brust und schob den Rock unter Hintern und Füße. Irgendwann versiegten die Tränen, aber ich zitterte weiter am ganzen Körper, und als das Abendessen gebracht wurde, holte ich nach dem Nicken der Leibwächterinnen erst Elenas Tablett und saß dann steif hinter meinem, bis die Beschützerin sich auch noch von meiner Suppe und von meinem Brot bedient hatte. Den gebieterischen Blick, der mich zwischen dem Hinlegen und dem Erlöschen des Lichts in Elenas Bett befahl, ignorierte ich allerdings.

Beim Frühstück und beim Mittagessen gab ich ebenfalls die beflissene Dienerin, und ich ging, die anderen drei nachahmend, ohne Aufzucken zur Putzarbeit in den Büros der Aufseherinnen.

Als wir zurück in die Zelle gebracht wurden, kippte eine der Leibwächterinnen wieder den Eimer aus, und ich knöpfte mir die Bluse auf und ging an die Arbeit, bis ich auf den Knien vor Elenas Bett ankam. Ihre Pranke schaukelte unter meinen Oberkörper.

„Ich habe auch ein Recht auf Liebe“, flüsterte Elena dicht bei meinem Ohr, während sie gebieterisch meine rechte Brustspitze knetete. „Und ich mache es dir garantiert nicht schlechter als irgendein Genosse! Ich kann es dir sogar öfter und länger machen!“

„Aber ich liebe dich doch nicht“, wisperte ich. „Leider...“

„Ach, das kommt schon noch! Küsse mich, lecke mich einfach ein bisschen!“

„Probleme“, fragte ihre kaukasische Leibwächterin und stützte den Arm auf, um sich von ihrem Bett hoch zu drücken. „Soll ich...?“

„Sie schämt sich noch ein wenig“, sagte Elena und lachte. „Aber sie ist eine Deutsche und eine Studentin, und dass so eine Probleme damit hat, glaube ich nicht wirklich.“

„Heute Abend“, fragte ich. „Im Dunklen, ja?“

Elena schüttelte den Kopf, ließ mich aber los und ging, um mit ihren Vertrauten zu tuscheln. Weiter geschah nichts, und als wir am frühen Abend zum Duschen geführt wurden, bekam ich am Eingang des dampfenden Duschraums einen kräftigen Stoß. Ich rutschte aus, fiel aber nur halb, weil mich nasse Arme auffingen und nasse Körper einklemmten. Jemand setzte sich auf mein Gesicht, und ungesehene Lustmörderinnen nahmen sich meinen Körper vor, quälten meine Brüste und durchwühlten meinen Bauch. Ich ertrank in Lustschleim, und als alles vorbei war, schritt Elena an mir vorbei unter die Dusche, von ihren Leibwächterinnen gefolgt. Ich kroch auf allen Vieren zu ihr, küsste ihre Knie und leckte an den fetten Schenkeln nach oben. Mit beiden Händen hob ich den Wanst. Ich reckte den Hals und begann, den in den Fettschluchten wuchernden Haarbusch mit der Zunge zu kämmen, wie in echter Lust.

„Es ist noch gar nicht dunkel“, höhnte Elena, und die Zellen-Besatzung lachte. „Kann es sein, dass du auf dicke Frauen stehst, Deutsche?“

Sie mochte es, vorsichtig berührt und wie eine Geliebte behandelt zu werden, erklärte sie mir in der Nachtruhe, aber sie sähe auch gern zu, wenn ihre Leibwächterinnen Huren und  korrupte Angestellte vergewaltigten. Sie war im Gefängnis darauf gekommen, und deshalb konnte sie es nicht einfach als eine negative Erfahrung werten. Dass sie keine Akademikerin war, hatte eben nicht bedeutet, dass sie vom Schicksal zur Dienerin eines betrunkenen Schlappschwanzes bestimmt gewesen war, und seit Stalins Tod war die eigentlich vernünftige Diktatur des Proletariats ziemlich verkommen. Ich lag wie ein Baby auf ihrem weichen, schwitzenden Körper und wagte nicht aufzuhören, irgendwelche Schwellungen zwischen den Händen zu reiben und dabei zu küssen.

„Das mit den Bauern war natürlich schlimm und falsch von Stalin“, sagte Elena. „Bauern und Arbeiter gehören zusammen, aber ihr... Ihr müsst wieder lernen, dass hier wir die Macht haben! Ihr habt zu parieren, ihr Intellektuellen und Modepüppchen, den Arbeitern zu dienen! Das bedeutet Sowjetmacht!“ Ihre Hand fuhr über meinen stoppeligen Schädel. „Dann sind wir auch nicht böse und nicht ungerecht…“

Ich war.

Die Verlobung
Levi´s
Das Nest
Frank. Und fast frei.
Star Trek
Grimms Märchen
Die deutsche Ideologie
Der invertierte Columbus
Wolf auf Pilzen
Zwischensumme

Ich bin.

Jeremias
Vorspiele
Galeristin
Matka
Ehemals
Erkennen
Aphrodite
USP
Maßnahmen
Aspasia
Rückwege

Ich werde sein.

Silicon Plain
Das achte Kreuz
Aschermittwoch
Stockholm
Marketing
Sympathy for the Devil
Das Regionalwetter
Circenses
Frühstück mit Nazis
San Antonio de la Florida