12.

Beate war nicht beim Training gewesen, aber um Hanne und den reichen Onkel Rolf nicht aus dem gar nicht geilen Ost-Bett zu stören, rief ich nicht einmal wegen ihrer neuen Adresse an. Sie würde sich schon melden, und notfalls konnte ich sie ja ab Donnerstag von einem Privatdetektiv suchen lassen.

Als ich in den Hinterhof kam und neben der Zeltplane Licht sah, atmete ich auf. Wie es sich gehörte, war das Schlüsselversteck leer, und diesmal konnte das nicht Haase gewesen sein.

Allerdings war es auch nicht Beate. Das Gesicht, das im Camel-Nebel über der Sofa-Lehne auftauchte, gehörte zu einer Frau in meinem Alter, und außer dem Gesicht hatte diese Frau nichts an. Auch in meiner Größe war sie, nachblondiert und viel zu bunt geschminkt.

„Haases Sonntagshure“, kombinierte ich schnell.

„Exakt! Aber würde es dir etwas ausmachen, Dolly zu mir zu sagen?“

„Ja, würde es! Nur Doris oder Dorothea, das ginge.“

„Doris“, wünschte sich die Sonntagshure und bot mir Platz in meinem Sessel an. „Glas Sekt?“ Sie schob das Glas bis an die Tischkante, lehnte sich dann zurück und ließ sich ansehen. „Das ist gut, daß ich dir gefalle! Du sollst dich nämlich um mich kümmern, bis der Professor rauskommt!“

Ich nickte so mechanisch, wie ich nur konnte, trank einen Schluck und zündete mir eine Zigarette an.

Es wurde ein Zweikampf. Während wir so taten, als hörten wir meine CD, drückte Doris ihre Brüste gegeneinander, und ich starrte ihr auf die ungeschminkte Haut über den Fingerknöcheln. Die Fältchen erinnerten mich daran, daß sie sie schon vor einiger  Zeit Medizinstudentin und Werbegrafikerin gewesen war, und Doris stellte ihre Fersen auf die Sofakante und spreizte die Beine. Sie war um die Möse und im Hintern rasiert, und ich hatte nach Karate diesmal nicht geduscht.

„Und ich soll mich um dich kümmern“, sagte die Sonntagshure, rutschte vom Sofa und kam auf den Knien um die Tischecke herum. „Und ich weiß, daß du auf Zähne stehst!“

Dieses Mißverständnis konnte sie wirklich nur von Haase haben, und es tat mir gut, Doris den Unterleib bis zur Sitzkante entgegenschieben und den Nacken an der Rückenlehne reiben zu können.

„Und etwas braucht der Mensch ja zwischen die Zähne“, sagte Doris verständig, packte mich aus und nahm mich schon zum Anschwellen in den Mund.

Daß ich zustieß oder ihren Kopf an den Haaren nahm, wollte die Sonntagshure nicht, und darum schloß ich die Augen und träumte alle Frauen, mit denen ich in der letzten Zeit zu tun gehabt hatte: Wendy, Margit, Liane und Beate. Ich versuchte, mir einzureden, daß Beate in Wirklichkeit Hanne war, aber Hanne hatte es nie französisch gemocht, und auch als ich im Augenblick der Explosion die Augen öffnete, sah ich meine Tochter.

Beate lehnte am Türrahmen, über der rechten Schulter einen Rucksack, die linke Hand zwischen den Beinen, und sie sah mit großen und feuchten Augen zu, wie sich Doris mit dem rechten Handballen meine Sahne aus dem Gesicht wischte.

„Scheiße“, sagte ich und faßte schnell nach der Brust der Sonntagshure. „Nein, nicht du! Darf ich dir meine große Tochter vorstellen? Das ist Beate! Bea, das ist...“

„Doll..., Doris“, sagte Doris.

Sie stand auf und ging mit ausgestreckter Hand auf Beate zu, die traurig grinste und Doris wie eine aufgestörte Putzfrau nur am Unterarm anfaßte.

„Auch ältere Leute brauchen ja ‘n Sex-Leben“, sagte Beate.

Sie ließ den Rucksack fallen und begann zu heulen, und bevor ich die Hose zu hatte und soweit war, hatte schon Doris Beate zum Sofa geführt, hingesetzt und zu streicheln begonnen. Ich ging, um ein Sektglas für Beate zu holen, goß ein und klopfte dann auf die nackte, kühle Schulter der Sonntagshure.

„Ich kann das“, sagte Doris ärgerlich. „Meine Kleine hatte auch Liebeskummer, Mensch!“

„Liebeskummer?“

„Ja, liest du denn nicht Zeitung“, heulte Beate auf. „Die Schweine! Diese Schweine!“

Die Zeitungen lagen ganz oben im ersten Rucksack, und natürlich waren es Zeitungen, die ich nicht las und die ich auch nicht in einem lesbischen Autonomen-Haushalt vermutet hätte.

„Das haut den stärksten Bären um“, las ich Doris die Großbuchstaben vor. „Und weiter: Sein letzter Bruch: Türkischen Gangster zu Tode gestürzt!“

„Ja, und?“ Doris machte mir neben Beate Platz und las halblaut und eilig, was die Nachricht zum Titel sein sollte. „Als sie dem noch nicht identifizierten ausländischen Gangster gegenüberstand, gab es für die sechzehnjährige Beate M. nicht einmal eine Schrecksekunde. ‘Für Karate braucht man nicht viel Kraft’ sagte sie später. ‘Die richtige Kraft zur richtigen Zeit, das ist das Geheimnis, das jeder lernen kann!’ Sie wollte den Mann nicht töten, aber Beates Fußsstoß zum Kopf ließ ihn gegen das Fenster taumeln. Aus dem Büro ihres Vaters hatte Beate den Unbekannten, der vermutlich Türke oder ein anderer Südländer ist, zwei Stockwerke tief gestürzt.“

Doris’  Augen drehten zwischen der triumphierenden Zeitung und Beates unglücklichem Gesicht hin und her. „Diese Beate bist du, ja?“

„Na, nicht mal das Alter stimmt“, heulte Beate. „Aber du hättest sie erleben sollen, Papa! Ute und ihre ganze lesbische Clique!“

„Ej“, sagte ich unsentimental. „Gestern warst du noch selber lesbisch!“       

„Aber doch keine Skin-Matratze! Und gesucht werde ich doch auch nicht! Da hätten die mich doch nicht rausschmeißen müssen! Wo soll ich denn jetzt noch hin?“

„Warte, warte! In Victorias Schule, zum Beispiel, da würden die dich gern ins Traditionskabinett stellen! Victoria ist ihre Schwester...“

„Natürlich bleibst du hier“, entschied Doris. „Platz genug ist, und vielleicht überlegst du dir das mit dem lesbisch sein noch mal, wenn du öfter mal bei Könnern zuguckst!“

Ich knurrte leise, aber doch deutlich genug, um Doris beschwichtigend  die Hände heben zu lassen.

„Ist ja gut! Ich habe nichts gegen Lesben oder Ausländer, wirklich nicht! DSF und DFD, habe ich alles mitgemacht!“

„Ich kann wirklich hierbleiben“, fragte Beate, als sei das irgendein Wunder. „Ich meine, der Schulweg ist bißchen lang, aber...“

Es war das zweite Mal in drei Tagen, daß ich Beate für eine gute Nacht betrunken machen mußte, und während sie langsam im Sekt-Meer unterging, rückte sie Doris immer mehr auf den Seiden-Kimono. Endlich rieb sie mit der Wange die Vorderteile auseinander und gähnte herzhaft und nicht unzufrieden. Für die Sonntagshure schüttelte ich den Kopf zeigte ich mit dem Daumen nach nebenan.

„Meine Kleine ist achtzehn“, flüsterte Doris. „Nein, neunzehn. Du brauchst also...“

Wieder schüttelte ich den Kopf.

Vorsichtig legte Doris Beate auf dem Sofa ab, verschwand noch einmal zur Außentoilette und kam dann folgsam in das Kram-Zimmer. Ich hatte noch eine zweite Luftmatratze gefunden, aber mit dem offenen Schlafsack mußten wir uns beide zudecken, und Haases Sonntagshure deutete das auf ihre Art. Ohne sich von der Schlafanzug-Hose stören zu lassen, tatzte sie nach meinen Hoden und drückte mein Glied zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Du mußt das nicht machen, Dolly!“

„Nein?“

„Und ohne Gummi mache ich das sowieso nicht!“

„Ich habe wirklich eine Tochter“, flüsterte Doris und kicherte. „Du, und ich war wirklich in allem: FDGB, DSF und DFD. Das ist komisch, nicht?"

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