26.

Nach unserem Karate-Abend mit Kneipentour griff Beate am schnellsten nach dem Telefonhörer.

"Ja? Hier ist die Leibwächterin von Detektiv Phil Marlowe! Junior... Phil Marlowe junior! Das sagt ja nichts über das Alter des Leibs, genau! Haase..."

"Nun setz dich mal", verlangte Haase.

"Ich sitze ja. Und zwar beim Frühstück."

"Dann stehe auf und setz dich dann! Du sagtest doch letztens: Laabs aus Wuppertal, nicht? Und eben hat Wegner angerufen."

"Wegner aus Wuppertal?"

Haase krächzte ärgerlich. "Seine Schildauer Kollegen waren gestern bei den Eltern unserer Witwe."

"Und? Ich hoffe, die Eltern waren nicht auch verschwunden!"

"Nein, Liane Huber ist da!"

"Bei den Eltern? Ach, in Wuppertal?"

"Die Eltern hatten monatliche Post: ein interessanter Job und viele neue Bekannte, blablabla. Postkartentexte eben. Und der Witz daran ist..."

"Sie hatten das auch nur auf Postkarten, richtig? Ohne Adresse..."

Endlich war ich soweit wach, daß ich Haase seine philosophische Methode hätte vorexerzieren können. Danach hatte Huber nun doch seine Frau gegen den Mercedes des Zuhälters Laabs getauscht, und die vielen neuen Bekannten waren ein versteckter Hinweis auf Liane Hubers unfreiwillige Freier.

"Und jetzt soll ich Laabs ganz direkt fragen, ob er in letzter Zeit mal daheim im Puff war und zufällig eine verheulte Hure mit blonden Haaren gebumst hat?"

Haase kicherte. "Und frag ihn vor allem, wie! Nein, nein! Da solltest du dir schon was schlaueres einfallen lassen! Ich will zwar Beweise, aber nicht unbedingt deine Leiche!"

"Nicht unbedingt?"

"Es wäre zwar besser als gar nichts..."

"Nicht aus meiner Sicht", sagte ich und legte auf.

"Du willst schon wieder an die Negerin", sagte Beate und zog den Mund schief. "Mensch, Papa! Wenn an der ganzen Sache was dran ist, laß es die Bullen machen! Guck mal: die kriegen ihr Geld dafür, und du kriegst kein Geld für deine CD, die doch wirklich nicht schlecht ist! Du vermietest sehr erfolgreich Fahrräder, und..."

Doris hatte die Oberlippe hochgeklappt und wackelte nachdenklich mit dem Kopf.

"Ich durfte ihm doch sagen, daß wir nicht mehr abgehört werden? Du... Und haben diese Neo-Stasis wirklich alles mitgeschnitten?"

Ich schüttelte den Kopf, aber während ich in den Saftschinken-Toast biß, mußte ich doch grinsen. Doris schwieg beleidigt, und Beate kaute besonders intensiv, weil sie die Beherrschung ihrer Neugier demonstrieren wollte.

Trotzdem spendierte ich den Frauen für Beates eskortierte Schulfahrt S-Bahn-Karten, und ich ging zu einem zweiten Frühstück in Meisters Verkaufsbüro.

"Haste nicht ein Gedicht über alte Autos", fragte Meister beim Kaffee-Eingießen. "Sogar Brecht hat welche geschrieben, und ich kann eine so umfängliche Lagerhaltung nicht durchstehen, betriebswirtschaftlich gesehen."

"Du warst wieder in der Volkshochschule! Dabei ist jetzt in deiner Branche üblich, die Frauen des Kunden in Zahlung zu nehmen."

"Das sind so Branchen-Geheimnisse, hinter die Außenstehende eben nicht kommen, ja! Wozu ist es gut, zum Bleistift, daß du die Frau deines Partners bumst? Das überlege ich schon lange..."

"Oder: wo könnte ich einen Colt so verstecken, daß ich jederzeit rankomme, aber nur ich ihn finde?"

Meister grinste, sagte es aber nicht, und wir schwiegen uns eine Weile an, bis ich ihm einen Handel vorschlug. Ich würde ihm kostenlos eine Anzeige machen, wenn er mir den Gefallen tat.

"Und den Entwurf mache hier", pokerte Meister noch einmal höher. "Und wenn ein Kunde kommt, drehe ihm eins der Autos an, okay?"

"Es wird ja kein Kunde kommen", sagte ich und gab ihm die Passat-Schlüssel und die Gurkenbüchse.

Von Pappe bis von Daimler, überschrieb ich das Kunstwerk mit der Zeile, die Meister noch nie hatte bezahlen wollen. Bei KfZ-Meister Meister können Sie fragen, kaufen und überholen lassen. Damit Sie keiner überholt! Am Computer würde ich dann ein vorgezeichnetes Auto stauchen oder dehnen, mit dem üblichen Grinsemund und Blinzelaugen versehen, und insgesamt würde das eine Anzeige ergeben, die zwischen allen anderen nicht negativ auffiel. Meister?s geheimer Dienst am Automarkt, spielte ich außerdem noch. Die besten Gebrauchswagen: Gebrauchtwagen von Meister...

Irgenndwann tauchte ein Jeanspärchen mit Jeanskind aus dem Korridor auf, und weil die Großen in ihrer Verliebtheit bestimmt keinen Detektiv brauchten, nahm ich eine Cola-Büchse und die Schlüssel für den einzigen Mercedes mit hinaus.

"Womit kann ich Sie über's Ohr hauen", fragte ich freundlich, gab dem Mädchen die Cola und die Schlüssel. "Das schnieke rote Auto da wird Mama nicht wollen, aber probier mal, ob du reinkommst!"

"Haben Sie auch was für kein Geld", fragte der Drei-Tage-Bärtige erleichtert.

Er sah irgendwie genötigt aus, und weil das T-Shirt unter der Fransen-Weste seiner Wespe schwarz war, zeigte ich auf den leidigen Golf. Er war alt, schwarz und hatte einen doppelten mercedes-roten Saum.

"Daß heute Nachmittag drei Kunden kommen, die überlegen wollten, ob sie den nehmen, erzähle ich Ihnen nicht, okay?"

"Und wieso nicht", fragte die Jeans-Wespe.

"Na, weil es doch nicht stimmt! Die rechte Vordertür ist an der Ecke angerostet, aber perfekt überlackiert... Soll ich ihn einpacken oder geht es so?"

"Sie wollen ihn nicht verkaufen", summte die Frau begeistert. "Dann hätten Sie doch aber gleich dreitausend mehr draufschreiben können!"

"Da ist doch was faul", argwöhnte der Mann.

"Nur ich, ganz ehrlich gesagt. Ich vertrete den Chef. Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion. Aber ich habe selber hier gekauft, bin zufrieden und kriege gerade noch ein Extra eingebaut. So gut wie umsonst..."

"Und der Preis ist real", fragte sie.

"Klopfen Sie an die Türecke, aber erst mal links... Und dann bieten Sie fünfundert weniger", schlug ich schnell noch vor, weil Meister zurückkam und sofort schneller wurde, als er mich in Aktion sah. "Dann haben Sie sich, ihm und mir ?n Gefallen getan..."

"Was... Was macht das Kind im Daimler?"

"Den nächsten Wagen probesitzen... Gott, Meister! Wolltest du als kleines Mädchen nie in 'n Mercedes? Und das größere Mädchen ist am Golf interessiert."

Ich ging noch einmal in das Verkaufsbüro, um den Anzeigen-Entwurf zu holen, ließ mir von Meister die Autoschlüssel zurückgeben und schaffte es oben gerade noch von der Wohnungstür zum Telefon.

"Wegen vorhin", sagte Haase. "Doris hatte mir gesagt, daß ihr die Wanze gefunden habt. Du dachtest doch nicht etwa, ich wünsche dir einen schnellen Tod?"

"Du willst bestimmt keine ehrliche Antwort", antwortete ich mit der Krimi-Standardformel für diese Fälle.

 

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